Zum Klatschen zumute?

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Euphorisch waren unsere Gottesdienste wohl noch nie. Gepflegte Freude bestimmt sie, Ekstase ist nicht unsere Art. Und jetzt umklammert uns auch noch Corona: Die Sorge vor der unsichtbaren Gefahr sitzt uns im Nacken und legt sich auf die Stimmbänder. Wir freuen uns, wieder miteinander Gottesdienst zu feiern, doch die Rahmenbedingungen ersticken jeden Funken von Ausgelassenheit. Und überhaupt: Wie soll man mit 20 – 30 zaghaften Teilnehmern, die alle einen Schalldämpfer auf Mund und Nase tragen, ausgelassen feiern? 

Und doch ist die Freude und Ausgelassenheit Ausdruck des Glaubens an einen allmächtigen Gott. Singen, Musizieren und auch Klatschen widerstehen den Ängsten und der Mutlosigkeit. Bereits die Söhne Korachs, eine Art antiker Kantorei forderten dazu auf: „Ihr Völker auf der ganzen Welt, klatscht in die Hände! Lobt Gott und lasst euren Jubel laut hören!“ (Psalm 47). Das Klatschen ist eine Erfindung des Gottesdienstes. Da jedenfalls hatte es im alten Israel seinen Platz. Nicht dass man dort fortwährend geklatscht hätte. Es gab natürlich auch leise Momente. Aber wenn die Begeisterung ihren Ausdruck suchte, wenn das Staunen über Gottes Größe die Gemeinde erfüllte, dann war das Klatschen ihr Ausdrucksmittel der Freude. Schließlich konnte jeder mitmachen, und gemeinsam können viele Hände einen ganz schönen Krach machen.

Wann das Klatschen die Gotteshäuser verlassen hat und auf Arenen, Jahrmärkte und politische Volksversammlungen ausgewandert ist, wissen wir nicht. Jedenfalls haben heute Viele das Gefühl, dass es nicht so recht in eine Kirche passt. Es schickt sich nicht im Gottesdienst – so meinen sie jedenfalls. Schade eigentlich. Inzwischen ist das Klatschen allgemein selten geworden. In machen Fernsehshows wird es eingespielt wie früher in der Muppetshow. Doch ohne echte Menschen wirkt es nicht. Ich hoffe sehr, dass wir nach für nach wieder zum gemeinsamen Lob und zur Anbetung finden – und gelegentlich auch zum Klatschen. Wir haben immer noch allen Grund dazu:

Gott ist groß und mächtig, und er hat uns lieb. Wer kann da die Finger still halten!

Marcus Schäfer