Wiedersprüche in der Bibel? Auflösung

Vor einigen Tagen habe ich über Widersprüche in der Bibel geschrieben. Hier nun die Auflösung , die ich im letzten Blogbeitrag schon angedeutet habe. Ich hoffe, ihr habt euch selbst damit auseinandersetzen können und hattet Freude damit!

1. Volkszählung Davids

2. Samuel 24,1:  Noch einmal ließ der Herr die Israeliten seinen Zorn spüren. Er reizte David auf, etwas zu tun, was dem Volk schaden musste. Er sagte zu ihm: »Zähle die Männer von Israel und Juda!«

Im Vergleich dazu:

1.Chronik 21,1:  Und der Satan stellte sich gegen Israel und reizte David, dass er Israel zählen ließe.

Schritt 1 und 2: Lesen und Übersetzungen vergleichen.

Bei Schritt 1 und 2 sind keine großen Unterschiede in den Übersetzungen aufgefallen, die wichtig wären.

Schritt 3: Was ich verstehe und was nicht.

Was ich verstehe: Gott ist zornig auf Israel. Jemand bringt David dazu, eine Volkszählung durchzuführen. 

Was ich nicht verstehe: Wieso wird in der einen Stelle Gott als Anstifter, und in der anderen der Satan erwähnt? Wer hat denn jetzt David dazu gebracht, die Volkszählung durchzuführen? Und warum ist das so schlimm, dass er eine Volkszählung macht?

Schritt 4: Was sagen die Kommentare zu diesem Problem? Was sind meine eigenen Gedanken dazu?

Hierbei handelt es sich um keinen Widerspruch, sondern um zwei Erzählungen, die unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Das Buch der Chroniken bildet das letzte Buch des hebräischen Alten Testaments und gibt eine Zusammenfassung der Geschehnisse von der Schöpfung bis zum Ende der babylonischen Gefangenschaft. 

Das Buch wurde von einem anderen Menschen geschrieben als die Samuelbücher. Dennoch handelt es sich hierbei um dieselbe Geschichte, die zweimal erzählt wird. 

Gott war ärgerlich über Israel, warum wissen wir nicht genau. Er brachte David dazu, eine Volkszählung durchzuführen. Vielleicht wollte David seine militärische Stärke erfahren, um damit zu prahlen und ließ deshalb alle wehrfähigen Männer zählen. Er drohte, sich auf sich selbst zu verlassen und nicht mehr auf Gott, der der Heerführer Israels ist.

Diese Volkszählung wurde in 1. Chronik 21,1 dem Satan zugeschrieben. 

Gott und Satan, das sind doch absolute Gegensätze eigentlich. Und dennoch dachten die Juden damals beide immer zusammen. Satan kann nichts tun, ohne dass Gott ihm Handlungsspielraum gibt.

Gott hatte dem Satan erlaubt, David zu einer falschen Handlung anzuregen, damit Israel bestraft und David etwas lernen würde.

Ebenso erlaubt Gott im Buch Hiob dem Satan, Hiob Kummer zu bereiten und in 1. Samuel 15,14 erlaubt er einem bösen Geist, Saul zu quälen.

Gott ist der Herr der Welt, und der Satan kann nichts ohne seine Erlaubnis ausführen.

Insofern sind diese beiden Bibelstellen auf den ersten Blick widersprüchlich, aber letztlich stimmig.

2. Der Tod des Judas Iskariot

Matthäus 27,3-5: Als Judas, der ihn verraten hatte, sah, dass er zum Tode verurteilt war, reute es ihn, und er brachte die dreißig Silberlinge den Hohenpriestern und Ältesten zurück 4 und sprach: Ich habe gesündigt, unschuldiges Blut habe ich verraten. Sie aber sprachen: Was geht uns das an? Da sieh du zu! 5 Und er warf die Silberlinge in den Tempel, ging davon und erhängte sich.

Im Vergleich dazu:

Apostelgeschichte 1,17-18: 17 denn er wurde zu uns gezählt und hatte Anteil am gleichen Dienst. 18 Der erwarb einen Acker von dem ungerechten Lohn und stürzte vornüber und barst mitten entzwei, und alle seine Eingeweide quollen hervor.

Schritt 1 und 2: Lesen und Übersetzungen vergleichen

Bei Schritt 1 und 2 sind keine großen Unterschiede in den Übersetzungen aufgefallen, die wichtig wären.

Schritt 3: Was ich verstehe und was nicht

Was ich verstehe: Judas ist auf eine grausame Weise zu Tode gekommen. In dem einen Text ist es definitiv Selbstmord, im anderen kann es auch ein Unfall/Sturz gewesen sein.

Schritt 4: Was sagen die Kommentare zu diesem Problem? Was sind meine eigenen Gedanken dazu?

Matthäus berichtet, dass Judas sich erhängt hat. Petrus spricht in der Apostelgeschichte allerdings davon, dass er gestürzt sei und seine Eingeweide heraus quollen. 

Natürlich könnte man jetzt sagen, dass das Seil gerissen sei und er somit gestürzt ist. Jedoch steht von einem Tod durch Erhängen nichts in der Apostelgeschichte.

Wilfried Eckey schreibt im Kommentar „Der Weg des Evangeliums von Jerusalem nach Rom“ zur Apostelgeschichts-Stelle:

„Über den Tod des Judas gab es in der Urchristenheit verschiedene Überlieferungen…er stürzte anscheinend vom Dach des Hauses vorwärts in die Tiefe, so dass sein Leib barst und die Eingeweide heraus quollen.“

Da die Berichte aus der Apostelgeschichte und aus Matthäus aber nicht deckungsgleich sind, resümiert Eckey:

„Wann und wie Judas Iskariot zu Tode gekommen ist, wissen wir nicht.“

Letztlich kann man hier nur vermuten. 

Eine weitere Theorie ist:

Als Judas Leiche am Seil hängend gefunden wurde, wurde er aufgrund seines unehrenhaften Todes als Strafe auf den Blutacker geworfen und prallte so hart auf, dass seine Eingeweide herausquollen. 

Überlieferungen (außerhalb der Bibel!) legen nahe, dass dieser Acker an einem Abhang südlich von Jerusalem lag.  Hinunter geworfen zu werden, würde den krassen Aufprall des Körpers mit Herausquellen der Eingeweide erklären. 

Jonas Schultze