Wie habe ich das vermisst!

Heute früh um kurz nach acht war es wieder soweit. Dienstbeginn im Gemeindehaus. Drei Wochen Urlaub sind eine schöne, lange Zeit – aber ich habe einiges vermisst. Meinen Urlaub verbrachte ich übrigens in einem wunderschönen Ort im Lahn – Dill – Bergland …

Seit wir wieder Live-Gottesdienste feiern, beginnt ein Gottesdienst für mich morgens um acht. Der Raum muss aus Hygienegründen gut gelüftet sein und alle technischen Geräte werden doppelt auf Funktion geprüft, so dass mögliche Fehler im Livestream minimiert werden können. Gegen neun Uhr kommen dann die Musiker, wir starten mit Soundcheck und es folgen letzte Hygieneanweisungen.

Ab halb zehn ist Einlass.

Eine halbe Stunde später kommt dann der große Moment. In meinem Emailpostfach sehe ich ja schon, wer sich über unsere Homepage zu einem Gottesdienst anmeldet. Eine gewisse Vorfreude macht sich breit, den Geschwistern gleich in die Augen zu blicken. Auch über die sehr kurzfristigen Anmeldungen habe ich mich sehr gefreut, auch wenn sie für die Planung eher suboptimal waren.

Langsam füllt sich der Raum. Heute wären wir schon fast an einer ersten Kapazitätsgrenze angekommen. Es gibt aber weitere Ideen, denn wir wollen nicht in die Lage kommen, Besucher abwimmeln zu müssen. Eine ganz frische Neuerung ist, dass nun zwei Hausstände beisammen sitzen können. Es tut gut, die lieben Menschen wahrzunehmen. Hin und wieder zeigen sich auch Momente voller Komik, während Menschen sich den vermeintlich besten Platz aussuchen oder ohne Absicht den Mindestabstand unterschreiten und dann auseinander springen, als stünden sie auf einer Granate.

Punkt zehn beginnt es.

Pünktlich haben die Musiker ihren Platz eingenommen. Harmonische Klänge erfüllen den Raum. Eines passt zum anderen, Lieder führen zu Worten. Alles führt in eine ganz besondere Begegnung mit Gott.

Genau das habe ich vermisst. Unendlich vermisst. In meinem Urlaub habe ich mir verschiedenste Gottesdienste per Internet reingezogen. Endlich war mal Zeit, um Predigten zu hören, die lange schon in einer Warteliste gespeichert waren. Es war eine unendlich wertvolle Zeit, vollgepackt mit Informationen.

Eines kann mir das Internet aber nicht bieten – und das schreibe ich als ausgewachsener Digital Native: Gottesdienstliche Gottesbegegnung.

Zwei oder drei.

Jesus sprach nicht umsonst davon, dass er da gegenwärtig ist, wo zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind. Natürlich sind diese Worte eigentlich in eine Seelsorgesituation hineingesprochen, wir deuten sie aber seit Generationen auch für unsere Gottesdienste. Sie beschreiben einen wichtigen Moment christlicher Wirklichkeit.

Natürlich ist Gott mir durch den Heiligen Geist so nah, wie niemand sonst. Er geht mit mir durch dick und dünn. Er begleitet mich, wohnt in mir, ist fest mit mir verbunden. Daran kann niemand etwas ändern. Trotzdem gibt es auch eine andere Art seiner Gegenwart, eine Art, die ich alleine nicht produzieren kann. Er ist auf eine andere Art unter uns, wenn wir uns als Gemeinde treffen. Er ist auch nochmal anders unter uns, wenn wir das Mahl des Herrn miteinander feiern.

Du musst es selbst erleben!

Der Gottesdienst heute morgen hat mir eine Kraft gegeben, die ich sehr vermisst habe. Wer mich in einem Gottesdienst derzeit beobachtet, kann das vielleicht nicht so ganz glauben. Neben Tontechnik wird der Livestream regelmäßig kontrolliert, durch Handzeichen werden Mindestabstand und Hygieneregeln durchgesetzt und parallel dazu wird jeder Fauxpas dokumentiert, teilweise sogar eine Mail an Betreffende in Echtzeit versendet.

Dieser eine Moment, du musst ihn selbst erleben, ist aber doch da. Das ist Gottesdienst. Dieses tiefe Empfinden, dass wir uns nicht nur aus religiösen Gründen oder einem frommen Hobby treffen, sondern dass ER selbst mitten unter uns ist. Er spricht, auch mit Mund-Nase-Bedeckung, Mindestabstand und zeitlicher Begrenzung.

Danke!

Ich möchte mich bei allen Beteiligten herzlich bedanken! Danke für die wundervolle Predigt, die akribisch durchdachte Moderation, die Musik voller Herzblut und jedes Engagement hinter den Kulissen. Drei Techniker, zwei Einlassbeauftragte und eine Desinfektionskraft braucht es für jeden einzelnen Gottesdienst. Danke, dass ihr euch diese Mühe gegeben habt. Es war ein ganz besonderer Gottesdienst, ganz besonders für mich!

Simon Birr