Warum tut man sich das an?

Meine Enkelin hatte die vorweihnachtlichen Aufgaben klar verteilt: Mit einer Oma wollte sie Plätzchen backen und mit der anderen Oma basteln. Ich war für`s Basteln zuständig. Eine gute Entscheidung. Basteln liegt mir mehr, als Plätzchen backen. Vielleicht war das meiner Enkelin auch schon aufgefallen. Schlaues Kind! 

Ich dachte darüber nach, welches Bastelprojekt man mit einer Fünfjährigen durchführen kann, das am Ende die Enkelin Stolz macht und die Oma natürlich auch. Dank Pinterest (einer Bastelplattform im Netz), wurde ich fündig. Das benötigte Material hatte ich vorrätig. Es fehlte nur noch eine Kleinigkeit. Aber die war wichtig. Ich hatte ein Geschäft im Sinn, wo ich glaubte, den gesuchten Artikel mit an Wahrscheinlichkeit grenzender Sicherheit zu finden.

Ein blödes Geschäft.

Das Problem war, ich mochte bzw. mag den Laden nicht! Er ist vollgestopft mit Waren im unteren Preissegment. Das heißt, vieles ist aus Plastik, blinkt in allen erdenklichen Farben und ist in meinen Augen, nach meinem Geschmack, einfach nur kitschig. Aber was tut man nicht alles, um für das Bastelvorhaben mit der Enkelin gerüstet zu sein.

Nachdem ich den kleinen weihnachtlichen Artikel in einer Wühlkiste tatsächlich entdeckt, „erwühlt“, hatte, bezahlte ich und marschierte erleichtert aus dem Laden. Ließ den Kitsch hinter mir! Und da passierte es, völlig unerwartet. Auf dem Parkplatz, unmittelbar vor dem Geschäft: Ich dachte plötzlich an Jesus.

Ja, natürlich hat Weihnachten für mich, als Christ, inhaltlich in erster Linie mit Jesu Geburt zu tun. Aber wieso kam mir Jesus gerade jetzt, hier auf dem Parkplatz in den Sinn? Ich bekam ein starkes Empfinden dafür, dass Jesus genau an solchen Orten sein wollte, an denen Menschen sich unwohl fühlen, die sie am liebsten meiden. Ich wusste, er war auch gerade mit mir in diesem Laden gewesen. (Das klingt total banal, aber Jesus fand es anscheinend passend, mich in dem Moment mit dieser Erkenntnis zu konfrontieren). Seine himmlische Wohnung, die ganz sicher an „Ausstattung und Atmosphäre“ mit nichts Irdischem vergleichbar wäre, zu verlassen, um auf unserer Erde einzuziehen………warum hatte Jesus an diesem Umzug Interesse?

Freiwilliger Abstieg?

Man zieht doch nie freiwillig von einer schönen in eine schlechtere Behausung!
Der Grund ist wohl im Blick auf das „soziale Umfeld“ zu suchen. Der Himmel ist von Engeln bevölkert. Auf der Erde gibt es so Spezies, wie mich: Tolle, liebenswerte Menschen. Na ja, wenn ich mich so anschaue…… Menschen halt. Sie können liebenswert und nett sein. Aber sie haben, freundlich ausgedrückt, Macken. Alle, ohne Ausnahme! Von harmlos bis unvorstellbar grausam kann das reichen.

Was ist mit diesem Jesus los, dass er ausgerechnet bei uns wohnen will? Mit dem stimmt doch was nicht! Ja, das ist richtig. Mit dem stimmt tatsächlich was nicht: Jesus ist von einer Liebe erfüllt, die so unbegreiflich, so bedingungslos ist, dass er unbedingt in eine persönliche Beziehung zu jedem von uns treten möchte.

Er will sich gerne die Mühe machen, jeden Menschen dort abzuholen, wo er gerade ist: Von Existenzängsten geplagt ,in einem Restaurant, das er gerade wieder schließen musste. Im Krankenhaus auf der Intensivstation, als überforderter Arzt oder schwerstkranker Patient. In Schulen, Elternhäusern, Kirchen, Gartenlauben, wo (kleinen) Menschen Verletzungen zugefügt wurden, die Körper und Seele kaputt gemacht haben.

Jesus sieht all die Menschen, die in ihrem Leben nie Liebe erfahren haben und deren Leben sich von Anfang an in einer endlosen Abwärtsspirale befindet. Sie alle will Jesus abholen. Einladen in eine persönliche Gemeinschaft mit ihm.  Auch den Manager, der Geld veruntreut hat und den, der meint, er habe sich im Leben nie etwas zuschulden kommen lassen.

Eine neue Chance.

Dieses coronaverseuchte Weihnachten bietet dieses Jahr eine ganz neue Chance. Denn all das, was viele Jahre die Sicht auf den eigentlichen Inhalt dieses Festes vernebelt hat, fällt weg. Der Blick auf das Kind in der Krippe ist sozusagen frei, nicht mehr verstellt von Weihnachtsmärkten, Weihnachtsfeiern, großen Familienfesten und all dem Rummel drum herum.

Sei mutig und riskiere einen Blick auf dieses Kind. Sei nicht erstaunt darüber, dass du diese Geschichte nicht mit deinem Verstand erfassen kannst. Das ist normal. Aber du könntest Jesus einladen in dein Weihnachten zu kommen, in dein Leben!

Das würde eine „schöne Bescherung“ werden. Du würdest den wahren Sinn von Weihnachten erfassen und das ist das größte Geschenk, das man bekommen kann!

Carmen Herz