Pfingsten mal ganz anders.

Mein Eindruck vom Autogottesdienst...

Pfingsten mal ganz anders.
In einer nie zuvor dagewesenen Isolation.
Inmitten von Trennungsschmerz und Einsamkeit.
Aber auch in einer Situation, die Kreativität und Mut zu neuen Ideen hervorbringt.

Pfingsten mal ganz anders.
Nicht auf den immer gleichen Stühlen des Kirchengebäudes.
Nicht bei einem „normalen“ Outdoor-Gottesdienst.
Sondern im Auto, auf dem Gelände des Rittal-Werks.

Pfingsten mal ganz anders.
Hin- und hergerissen.
Auf der einen Seite die Euphorie darüber, dass wir diese geniale Möglichkeit hatten, einen Autogottesdienst zu veranstalten, mit allem, was dazugehört.
Auf der anderen Seite ein klein wenig Wehmut – weil man zusammen war, gemeinsam gefeiert hat und doch irgendwie durch Autotüren und Windschutzscheiben voneinander getrennt war.

Doch nun die Frage: Was nehme ich mit?

Was nehme ich mit von unserem Autogottesdienst und somit von diesem „ganz anderen“ Pfingsten? Worauf lege ich meinen Fokus?

Natürlich kann ich darüber lamentieren, dass ich mich viel lieber ganz normal mit meiner Gemeinde getroffen hätte. Kann stundenlang darüber nachdenken, was gerade alles gerade anders läuft, als ich es mir wünschen würde. Oder mich darüber aufregen, dass der Pastor angesichts all der Schwierigkeiten, denen wir sowohl im Persönlichen als auch global gegenüberstehen, doch tatsächlich die Dreistigkeit besessen hat, zu sagen, dass es uns eigentlich gut geht.

Selbstverständlich ist es möglich, so zu denken. Meistens ist es auch einfacher.
Doch ich möchte mich und dich herausfordern, eine andere Perspektive einzunehmen.
Einzuräumen, dass die Aussage, dass es uns an und für sich gut geht, gar nicht unberechtigt ist.
Und so eben auch auf all das zu schauen, was am Autogottesdienst einfach großartig war.

Logistisch und organisatorisch einfach genial!

Schauen wir erstmal auf das rein Äußerliche:
Wir hatten die Möglichkeit, auf dem Gelände eines international agierenden Unternehmens einfach mal einen Gottesdienst zu feiern.
Wir konnten trotz Kontaktbeschränkungen legal mit über 200 Leuten gemeinsam eine Veranstaltung besuchen.
Uns stand eine Anlage zur Verfügung, die problemlos das Rittal-Gelände und sogar Teile des Dorfes dahinter beschallen konnte.
Es haben sich unglaublich viele Helfer gefunden, die bei Auf- und Abbau mitangepackt, als Parkeinweiser mitgearbeitet und so Vieles mehr getan haben, um diese Veranstaltung auf die Beine zu stellen.

All das bewundere ich zutiefst. Ich habe von der Planung bis hin zur eigentlichen Veranstaltung so viele Menschen gesehen, die sich wirklich mit Herzblut engagiert haben, damit dieser Gottesdienst etwas Besonderes wird. Jeder Beteiligte, den ich gesehen habe, hat sich wirklich eingesetzt.
Und ich habe nur einen Bruchteil dessen mitbekommen, was im Hintergrund abgelaufen ist.
Wie genial ist all das bitte? Was ein Privileg! Das war wirklich ein ganz großes Ding!

Hier wurden Grenzen überwunden!

Da war allerdings noch etwas an diesem Gottesdienst, das mich noch auf einer viel tieferen Ebene beeindruckt hat, als das rein Organisatorische.

Nämlich, dass es zu Zeiten der Trennung, der Isolation und der Einsamkeit möglich war, einen ökumenischen Gottesdienst zu veranstalten – einen Gottesdienst, in dem Vertreter der evangelischen Kirche, der katholischen Kirche und von uns, der FeG, nicht auf das geschaut haben, was sie unterscheidet, sondern auf das, was sie vereint.

Ich, und ich glaube viele andere Anwesende auch, haben bei diesem Autogottesdienst einen Gott erlebt, der unsere menschlichen Grenzen verschwimmen lässt. Seien sie räumlicher, gedanklicher, konfessioneller oder sonst irgendeiner Natur.

Ich habe erlebt, wie es mir plötzlich egal war, dass ich die ganzen Menschen hinter den spiegelnden Windschutzscheiben gar nicht erkennen konnte. Die Gewissheit, dass in jedem der über 80 Fahrzeuge Menschen saßen, die mit mir gemeinsam den gleichen Gott anbeten, hat mir gereicht.

Ich habe erlebt, wie es mir plötzlich auch nicht mehr wichtig war, in welchem Auto sich jetzt FeGler befanden und in welchem die Mitglieder der katholischen oder evangelischen Kirche.

Es wurde sogar irrelevant für mich, welche Konfession Moderator, Prediger, Fürbitten-Halter oder sonstige Beteiligte hatten,

weil an genau diesem Punkt Pfingsten ins Spiel kam und wir feiern durften, dass Gott mitten in alle Unterschiede, Differenzen und Trennung hinein seinen Geist schickt, der uns vereint.

All das möchte ich vom Autogottesdienst mitnehmen:

Dass Gott auch in augenscheinlich ausweglosen Situation zu Großem fähig ist.

Dass wir verbunden sind im Glauben an einen mächtigen Herrn, der all unsere menschlichen Grenzen zu sprengen vermag.

Und dass wir an Pfingsten genau das feiern durften: dass er unsere Vorstellungen übersteigen und uns in einer Weise vereinen kann, von der ich niemals zu träumen gewagt hätte.

Sophia Steinseifer