O du fröhliche

Dieses Lied ist wohl eines der beliebtesten Weihnachtslieder. Es ist ein Lied, in dem einfach und schlicht die Weihnachtsbotschaft erklingt und jeder kann es auswendig. Einen Weihnachtsgottesdienst ohne das Lied „O du fröhliche“ kann sich wohl kaum ein Dietzhölztaler vorstellen.

Für mich ist es immer spannend, wie die Lieder und ihre Texte entstanden sind, die wir heute so selbstverständlich singen. Also meine Fragen: Wer hat es geschrieben? Wie ist es entstanden? Eine Antwort fand ich in:

„Das große Buch von Weihnachten“ – Ursprung und Brauchtum

Geschrieben hat es Johannes Daniel Falk. Er lebte 1768 bis 1826 und war der Sohn eines armen Perückenmachers aus Danzig. Durch ein Stipendium konnte Falk sein Abitur machen und Studieren. Trotz religiöser Erziehung konnte er mit dem christlichen Glauben nicht viel anfangen. Er arbeitete für verschiedene Zeitschriften und entwickelte sich zum Satiriker…

Seine Texte waren von beißender Ironie. 1806 erlebte er die Besetzung Deutschlands durch Napoleon. 1813 ging eine Seuche durch das Land, vier seiner Kinder starben innerhalb weniger Wochen im Vorschulalter. Als auch seine älteren Kinder krank wurden, klagte er: „Will das ein Gott der Liebe sein, der solches zulässt?“

Doch genau diese schwere Zeit wurde für den Satiredichter zur Wendezeit. Den Glauben an Jesus Christus hatte ihm seine Mutter überzeugend vorgelebt, nun fand er darin Halt. Er soll einmal gesagt haben: „Gott hat mir meine Kinder genommen, damit ich mich den Verloren und Heimatlosen zuwende.“

Johannes Daniel Falk gründete die „Gesellschaft der Freunde in Not“, nahm Waisenkinder auf und eröffnete den „Lutherhof“. Bis zu seinem Tod betreute er dort mehr als 500 Kinder, die er meist verwahrlost von der Straße holte.

Oh, du fröhliche – Nicht für Weihnachten?

Das Lied „O du fröhliche“ entstand ca.1819 in der Zeit des „Lutherhofes“. Seine Melodie kommt von einem sizilianischen Fischerlied her. Ursprünglich war es ein Dreifeiertagslied, in dem Weihnachten, Ostern und Pfingsten besungen wurde.

Strophe 2:

O du fröhliche, o du selige gnadenbringende Osterzeit, Welt lag in Banden, Christ ist erstanden, freue, freue dich, o Christenheit.

Strophe 3:

O du fröhliche, o du selige gnadenbringende Pfingstzeit, Christ unser Meister, heiligt die Geister, freue, freue dich, o Christenheit.

Falk war begeistert, wie schnell die Kinder das Lied lernten.

Später…

Später, ca. 1829, hat Heinrich Holzschuher noch zwei weiter Weihnachtsstrophen dazu gedichtet. Diese Fassung ist die uns heute bekannte.

Vielleicht ist es ja eine Idee, die ursprünglichen Strophen beim Weihnachtsfest in der Familie wieder einmal erklingen zu lassen…

Birgit Kreck