Meine Gruppe ist grade komisch!

Du bist in einer Gruppe. Sei es als Leiter oder als Teilnehmer. Die Gruppe funktioniert gut, alles ist harmonisch. Alles scheint gut. – Ist das so?

Von jetzt auf gleich kann sich das ändern… Immer wieder erleben wir das. Was ist dann?

Habe ich einen Fehler gemacht? Oder war es jemand anderes? Man fragt sich, was ist nur los mit unserer sonst so großartigen Gruppe??? Die anderen gehen mir irgendwie auf die Nerven…

Gruppen sind dymamisch!

Vielleicht kennst du diese Erlebnisse. Gruppen sind dynamisch. Sie bleiben nicht einfach immer so, wie sie gerade sind.

Bruce Tuckman, ein amerikanischer Psychologe, entwickelte 1965 ein Phasenmodell für Teamentwicklung.

Sobald jemand neues zur Gruppe hinzukommt, jemand aus der Gruppe herausgeht, oder äußerliche Umstände sich ändern, wird die Gruppe entwickelt.

Alles beginnt mit der ersten Phase:

Forming (Form-Phase)

In dieser Phase bildet sich das Gruppengefüge. Rollen werden bewusst oder unbewusst verteilt. Wer ist Leiter, wer ist zurückhaltend, wer vermittelt, wer gibt Contra. Und so weiter. Jeder in der Gruppe nimmt eine Rolle ein, da gibt es keine Ausnahme.

Oft funktioniert die Gruppe erstmal gut! Alles scheint harmonisch. Man arbeitet zusammen und kommt voran. Aber das bleibt nicht immer so.

Storming (Sturm-Phase)

In dieser zweiten Phase geschieht manchmal eine Desillusionierung. Manche werden unzufrieden mit ihren Rollen in der Gruppe, oder die Gruppe an sich wird in Frage gestellt. Was ist eigentlich unser Ziel? Arbeiten wir gut zusammen? Mögen wir uns eigentlich echt so wie wir dachten oder gehen wir uns doch auch verstärkt auf die Nerven?

Diese Phase ist schwierig und anstrengend. Aber sie ist wichtig. Sie lässt die „Rosarote Brille“ abfallen und gibt die Chance, sich neu zu orientieren.

Wichtig ist hier zu wissen: Ich bin nicht (per se) Schuld daran, dass die Gruppe sich ändert oder Streit entsteht. Es kann manchmal einfach ein normaler gruppendynamischer Prozess sein. Diese Erkenntnis kann entlasten, gerade als Leiter.

Norming (Normierungsphase)

In dieser dritten Phase geschieht die Neuausrichtung der Gruppe. Neue Werte und Normen werden aufgestellt (Wie wollen wir miteinander umgehen z.B.). 

Performing (Ausführungsphase)

Jetzt geht die Gruppe aufs Ganze. Sie führt das aus, was sie sich vorgenommen hat. Man geht mit neuer Energie an die Aufgaben heran. 

Adjourning (Abschlussphase)

Das ist die Abschlussphase. Man resümiert das Erreichte. Es geht darum, den Ertrag zu sichern und das Projekt zu einem guten Abschluss zu führen.

Bist du in einer Gruppe? Falls ja, überleg mal, in welcher Phase ihr euch grade befinden könntet. Keine Phase ist schlechter oder besser. Alle sind wichtig. Und völlig normal. Auch wenn deine Gruppe sich grade die Köpfe einschlägt, kann das erstmal ganz normal sein. Denn die nächste Phase bietet wieder neue Chancen. Also nicht den Kopf in den Sand stecken.

Jonas Schultze