Lebensfaden

Es war einmal eine kleine Spinne, die lebte in ihrem Netz herrlich und in Freuden. Alles war gut, bis sie hörte: Die Welt ist anders geworden, du musst dich anpassen, du musst altes aufgeben, du musst dich neu orientieren, du musst rationalisieren.

Die Spinne war eigentlich nie aufgeregt, aber sie hörte alles als einen Vorwurf der Rückständigkeit und das machte sie nervös. Umgehend inspizierte sie ihren Betrieb:

Kein Faden war überflüssig, jeder war für das Geschäft dringend notwendig. Fast verzweifelt fand sie schließlich einen Faden, der senkrecht nach oben lief. Dieser hatte noch nie eine Fliege eingebracht, er hatte noch nie seinen Wert erwiesen und schien überflüssig und völlig nutzlos zu sein. Schnell biss die Spinne den Faden ab.
Was dann passierte, ist klar. Das ganze Netz fiel in sich zusammen und ging kaputt. Der Faden nach oben war der, auf den alles ankam und an dem alles hing.

Auch wir müssen uns in unserem Leben neu orientieren.

Die Welt ist für uns anders geworden und wir müssen uns den neuen Gegebenheiten anpassen. Der Faden, der in dieser kleinen Geschichte senkrecht nach oben geht, dieser Faden gleicht unserer Beziehung zu Gott. Diesen Faden sollten wir nie durchtrennen, denn es gibt genügend Situationen in unserem Leben, wo die lebendige Beziehung zu Gott uns hält und trägt. Wir sollten die Beziehung zu Gott festigen, auf seine Liebe und seine Hilfe vertrauen. Er hält unseren Lebensfaden sicher in der Hand.

Doch wie können wir diesen Faden festigen und stabilisieren?

Zum einen dürfen wir sicher sein, dass Gott unseren Lebensfaden fest in seiner Hand hält, er lässt ihn nicht los. Er ist für uns da und schenkt uns Sicherheit gerade in den vielen Veränderungen unseres Lebens. Für mich sind, die Treffen mit anderen Christen, das gemeinsame Singen, Beten und über Gottes Wort nachdenken ganz persönlich etwas, aus dem ich Kraft schöpfe, was mich bereichert und mir gerade in dieser Zeit besonders fehlt. Die Beziehung zu Gott, das heißt auch Beziehung zu anderen pflegen und in Gemeinschaft Miteinander und füreinander da sein. Umso mehr suche ich nun Halt und Geborgenheit in kleinen Andachten, die ich lese oder im Internet anschauen kann. Das ist für mich eine Kraftquelle, die ich immer mehr zu schätzen weiß.

Birgit Kreck