Ich sage Danke!

Kennengelernt haben wir uns in einem kleinen Besprechungsraum. Heimlich, ungestört, abseits unseres heiß geliebten Wildschweindorfes. Ein kleiner Kreis, unsere Ältesten, wollten diesen Mann jenseits aller Öffentlichkeit beschnuppern.

Viele weitere Gespräche folgten. Zunächst immer in Begleitung der Ältesten, später unter vier Augen, ungezwungen, über einer lebhaften Bierkneipe. Nach kurzer Zeit wurde eines deutlich: Das kann funktionieren.

Ein starkes Team!

Im gestrigen Gottesdienst konnten die Anwesenden einige Bilder der vergangenen Jahre bestaunen. Mir selbst wurde wieder einmal bewusst, welch lange Zeit wir gemeinsam verbracht haben. Damals hatte ich sogar noch Haare, eine Lebensphase, die kaum noch die Erinnerung prägt. Mir wurde aber auch wieder einmal bewusst, wie wenig wir uns ähneln.

Mit uns beiden wurden Männer zusammengebracht, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Das war auch gut so. Stärken und Schwächen konnten zueinander finden, sich helfen und gemeinsam wachsen. Alleine wären uns beiden viele große Aktionen der vergangenen Jahre zur Überforderung geworden,

gemeinsam konnten wir uns ergänzen, unterstützen, viele Gaben zur Entfaltung kommen lassen. Ein starkes Team entsteht nicht durch unendliche Gemeinsamkeiten, sondern vielmehr in der Annahme und Wertschätzung der Verschiedenheit. Alleine für diese Erfahrung im Leben bin ich unendlich dankbar.

Nicht unumkämpft.

Es ist kein Geheimnis, dass Pastoren nicht nur sonnige Tage erleben. Alleine ein Umzug bringt schon viele Herausforderungen mit sich. Ich erinnnere mich noch gut an meine ersten zwölf Monate in unserem schönen Dorf, die alles andere als einfach waren.

Gemeinsam haben wir viele Höhen, aber auch Tiefen durchgestanden. Es ist nicht leicht, wenn unterschiedliche Erwartungen vorhanden sind. Manchmal wurden sie gut formuliert, andere Male nur das Versäumnis kritisiert. Immer wieder sprachen wir über das Dilemma gegenläufiger Meinungen und Vorstellungen. Gemeinsam war es aber leichter zu tragen, als alleine.

Lieber Marcus, ich danke dir, dass du mir in den schwersten und kompliziertesten Momenten meines (bisherigen) Dienstes an der Seite standest.

Beispiellose Unterstützung.

Von dir habe ich eine ganz besondere – und wie ich finde lebenswerte – Form von Nächstenliebe gelernt. Den anderen nicht nur akzeptieren, sondern auch fördern, positiv unterstützen, das Beste in ihm sehen.

Eigentlich wissen wir es alles. Wir kennen die Bibel, wissen um die Aufforderung, die anderen anzunehmen oder, wie Paulus formuliert, zu “ertragen”. Dies aber praktisch bis ins letzte zu leben und in den seltensten Fällen aus der Fassung zu kommen, habe ich selten an einem Menschen beobachten können.

Besonders vermissen werde ich unsere Gebetszeiten. Nicht nur das Gebet für den Ort und unsere Gemeinde, auch die gemeinsame Fürbitte für eine Vielzahl einzelner Personen mit ihren Nöten und Ängsten, ebenso wie ihren Momenten der Freude.

Diese Lücke kann man nicht füllen.

Mein Lieber, du hinterlässt Fußabdrücke. Menschen wurden geprägt und sehen deine guten Spuren in ihrer Biografie. Ich kenne eine ganze Reihe, die wären ohne dich nie so eng mit unserer Gemeinde verbunden, wie sie es jetzt sind. Viele Impulse werden unsere Gedanken noch über Jahre beschäftigen.

In diesen Fußstapfen werde ich nie laufen können. Nein, sie sind mir nicht zu groß, die zugehörigen Schuhe könnte ich nie anziehen. Sie gehören einem Menschen, der sich von mir so sehr unterscheidet, wie eine Oper zu Jazzmusik, ein Rotwein zum Jägermeister oder vegetarische Fleischwurst.

Es geht weiter.

Lieber Marcus, ohne dich gäbe es ganz sicher die Homepage unserer Gemeinde, das konnte ich schon als Teenager. Es gäbe aber definitiv nicht diesen Blog. Die Fähigkeiten, so etwas täglich auf die Beine stellen zu konnen, hast du maßgeblich geweckt, mich motiviert und weitergebracht.

Der Abschied wird bestimmt kein endgültiges Lebewohl sein. Corona hat uns gelehrt, dass digitales Miteinander auch über große Distanzen möglich ist. Sicher wird es Gelegenheiten geben.

Bis dahin möchte ich aber heute eines sagen:

DANKE!

Danke, dass du mich so viele Jahre mehr als nur ertragen hast! Danke, für viele Jahre Prägung und Begleitung unserer Gemeinde. Danke für jedes Gebet, jede Träne, jede Umarmung! Danke, dass es dich gibt! Du bist ein Segen!

dein Simon