Gottesdienst ohne Mundschutz erleben!

Wäre es nicht schön, möglichst schnell wieder Normalität zu erleben? Gottesdienst mit Hygieneregeln und vor allem Mundschutz ist alles andere als normal.

Immer wieder erreichen mich Hinweise, dass genau dieser Mundschutz eine große Hürde für den persönlichen Gottesdienstbesuch darstellt.

Gemeinschaft kann man nicht ersetzen.

Gut, dass wir heutzutage Möglichkeiten haben, um Gottesdienste auch daheim miterleben zu können. Sehr intensiv erinnere ich mich noch an die Diskussionen vor einigen Jahren, dass sich niemand freiwillig vor den Fernseher setzen würde. Für viele sind die digitalen Wege heute aber eine große Hilfe, um im Glauben zu bleiben.

Man kann nicht nur die Gottesdienste der eigenen Gemeinde erleben, bei Bedarf ist auch der Sprung nach nebenan oder bis hin nach München unproblematisch möglich.

Eine Schwierigkeit gibt es aber: Echte geistliche Gemeinschaft gibt es nicht digital. Einsam vor dem Bildschirm verfällt man viel zu leicht in eine ungesunde Konsumhaltung. Glauben kann man im Kern aber nicht konsumieren, man muss ihn Leben. In der persönlichen Begegnung wird die Liebe Christi stark und entfaltet Wirkung zum anderen hin.

Mundschutz macht Sinn.

An dieser Stelle möchte ich keineswegs die Kompetenzüberschreitung wagen, eine medizinische Sicht auf die Mund-Nase-Bedeckung zu diskutieren. Trotzdem macht es in meinen Augen viel Sinn, an der Mundschutzpflicht im Gemeindehaus festzuhalten.

Vor zwei Wochen erst veröffentlichte das ZDF im Politbarometer, dass 87 Prozent der Befragten den Stoff im Gesicht behalten möchten. Er mag unangenehm wirken, bei schlechten Modellen sogar mit Luftproblemen einhergehen – trotzdem vermittelt er ein Stück Sicherheit und Kontrolle in unsicherer Zeit.

Außerdem, das ist meine persönliche Meinung, setzen wir ein deutliches öffentliches Zeichen. Unser Glaube hängt nicht an dem Grade, wie sehr wir uns wohlfühlen. Er hängt nicht an der Befriedigung unserer ureigenen Bedürfnisse, sondern vielmehr an der Ausrichtung auf den anderen.

Gottesdienst ohne Mundschutz ist trotzdem möglich!

Trotz aller Regelungen und Maßnahmen gibt es derzeit auch viele Lockerungen. Eine besagt deutlich, dass sich Gruppen von zehn Personen ohne Mindestabstand oder Mund-Nase-Bedeckung treffen dürfen.

Eine ganz pragmatische Lösung für diejenigen, die mit Maske nicht kommen wollen, könnte eine uralte Gemeindepraxis sein: Zu Beginn der Apostelgeschichte lesen wir, dass die Gemeinde sich nicht nur im Tempel traf (für den übrigens radikale Hygienebestimmungen galten), sondern auch „hin und her in den Häusern.“

Wie wäre es, sich mit einigen Gemeindegliedern zu verabreden und gemeinsam einen Hausgottesdienst zu erleben? Es braucht weder große Vorbereitung, noch theologische Qualifikation. Über unsere Livestreams werden alle Inhalte bis ins Wohnzimmer transportiert. Man braucht nur den Bildschirm einschalten und kann in einer kleinen Gruppe Gottesdienst erleben – in diesem Falle sogar in Verbindung mit konkreter Gemeinschaft.

Natürlich wäre es anders schöner.

Selbstverständlich würde eine Rückkehr zur Normalität allen gut tun. Ich selbst sehne mich unendlich nach einem vollen Gotteshaus, nach lautstarkem Lob Gottes, welches den Raum erfüllt und insbesondere nach physischer Nähe, Händeschütteln und der einen oder anderen Umarmung.

All das wird eines Tages wieder möglich sein. Der Ausnahmezustand wird nicht ewig andauern. Bis dahin dürfen wir die Herausforderung aber annehmen, neue Wege zu gehen. Es hilft nichts, zu meckern und zu motzen. Mehr bringt es, sich mit erprobten Taktiken aus 2000 Jahren Kirchengeschichte zu beschäftigen und gute Wege zu finden, unseren Gott in den Mittelpunkt des eigenen Lebens und der persönlichen Egozentrik zu stellen.

Simon Birr