Gebet für Pflegende

Hallo, liebe Gemeinde,

es ist eine schöne Idee, bestimmte Berufsgruppen in den Fokus zu stellen und besonders im Gebet an diese zu denken.

Ich arbeite seit 18 Jahren im ambulanten Pflegedienst Schwedes und versorgte bereits sehr viele Menschen aus dem Dietzhölztal und Umgebung. Mittlerweile bin ich verantwortlich in der Pflegedienstleitung und habe eher administrative Aufgaben.

Auch Gemeindeglieder werden und wurden von unserem Pflegedienst betreut, was für mich immer eine besondere Aufgabe gewesen ist, da man diese Menschen meist schon lange kennt und nicht selten waren schon über Jahre Freundschaften gewachsen. Wenn dann schleichend, oder manchmal sehr plötzlich die Anfrage nach einer pflegerischen Versorgung kam, konnte man im besten Fall an gute Kontakte anknüpfen und das „erste Kennenlernen“ fiel weg. Es war schön, dass bereits Dinge abgesprochen waren und Vertrauen vorhanden war.

Diese Begleitungen haben meine Fachlichkeit und Empathie enorm geprägt und gestärkt, ich danke dafür Menschen wie Werner Schneider (er begrüßte mich häufig mit den Worten, die Freundin kommt!!!), Ursula Braun oder auch Renate Nassauer, diese Personen haben mich auch zu der Schwester gemacht, die ich heute bin. Voller Dankbarkeit denke ich an sie und viele andere sehr häufig zurück.

Natürlich kann ich in diesem Bericht nicht über aktuelle Versorgungen sprechen, das verbietet die Schweigepflicht. Aber trotzdem möchte ich dafür werben, sich Hilfe zu suchen, um möglichst lange in der gewohnten Umgebung zu bleiben.

Was uns als Pflegedienst, sowie die Pflegebedürftigen natürlich beschäftigt, ist die Pandemie. Am Anfang waren wir sehr ängstlich, weil wir ja häufig die einzigen Kontakte neben den Angehörigen waren, die den Menschen nah kamen. Keiner hatte eine Impfung, alles war so unklar. Was passiert, wenn wir das Virus ins Haus bringen, wenn jemand erkrankt oder sogar daran verstirbt. Die ersten Monate waren von sehr vielen Vorsichtsmaßnahmen geprägt, bis wir nach ca. einem Jahr eine gewisse Routine entwickelt hatten, die aber ständig hinterfragt und korrigiert werden musste. Das war eine sehr anstrengende Zeit, in der wir aufgefangen wurden von Gottes Zusage: „Du bist nicht allein“

Für alle unsere Mitarbeiter war schnell klar: Eine Impfung schützt uns und die, die uns anvertraut sind und so haben wir am ersten Tag in Lahnau unsere Impfung erhalten, dafür bin ich bis heute sehr dankbar. Wir haben als Pflegedienst Gottes Bewahrung und Begleitung gespürt, nicht selten haben wir stundenlang telefoniert und geplant, gebangt und dann gemeinsam Entscheidungen getroffen. Ich bin Gott so sehr dankbar, dass er unsere Gedanken gelenkt und seine Hand über uns gehalten hat.

Wir konnten jeden Dienst besetzen. Wir waren als Team sehr beieinander, obwohl wir getrennt gearbeitet haben. Alles lief Hand in Hand. Das kommt uns auch heute, wenn es an Lockerungen geht, sehr zugute und wir können personell gesehen aus den Vollen schöpfen. Unser Team ist zusammengewachsen und wir können uns aufeinander verlassen.

Ein anderes wichtiges Thema ist sicherlich der Pflegenotstand, den wir persönlich bisher nicht so stark bemerken. Wir sind, wie schon gesagt, gut aufgestellt. Wir bilden seit vielen Jahren aus und haben auch für das kommende Ausbildungsjahr wieder eine Schülerin. Diesen Zustand sehen wir als Geschenk. Junge Leute zu prägen ist eine große Aufgabe, die uns jeden Tag herausfordert.

Ich bin vor fast 30 Jahren als diakonische Helferin nach Solingen gegangen und habe dort meine ersten Erfahrungen in der Pflege gemacht, diese Zeit hat mich geprägt und, wie euch bekannt ist, nie mehr losgelassen. Ich könnte mir keinen anderen Beruf vorstellen und versuche die Liebe zu alten und kranken Menschen an meine Schüler jeden Tag weiterzugeben. Ich wünsche mir, dass Menschen nach der Schule in soziale Einrichtungen gehen, um zu schnuppern. Wenn man mit offenen Herzen hineingeht, wird man belohnt und bekommt unendlich viel zurück.

Darum würde ich euch gern folgende Anliegen mit auf den Weg ins Gebet geben:

  • Die Pandemie ist nicht vorbei, bitte betet für uns als Pflegende, weil wir ganz dicht an der Risikogruppe sind: Für Weisheit, Mut, Geduld, Ideen, aber auch dafür, dass wir nicht alleingelassen werden. Es entstehen viele Kosten z.B. für Tests, Schutzkleidung, erhöhter Arbeitsaufwand. Dieses Geld muss wieder reinkommen, weil wir unsere Mitarbeiter gut bezahlen müssen, damit auch die hohe Motivation erhalten bleibt, damit unsere Mitarbeiter bei uns bleiben.
  • Dass unsere Arbeit in der Gesellschaft mehr Anerkennung erfährt. Es tut gut, wenn jemand sagt: „gut, dass es euch gibt“ und es auch so meint. Natürlich darf auch der finanzielle Aspekt nicht fehlen, vom Klatschen allein wird man auf Dauer nicht froh, das Gesamtbild sollte stimmen.
  • Pflegenotstand: Betet für junge Menschen, die sich trauen, einen, vielleicht unpopulären Weg zu gehen, und in die Pflegeeinrichtungen reinschnuppern, dass sie angerührt werden und dabeibleiben, um Menschen zu pflegen mit allem was dazugehört.
  • Für unser Gesundheitssystem, was ohne die Pflege nicht funktionieren würde, dass Gelder fließen, damit Menschen in Würde geheilt, gepflegt, versorgt werden können.
  • Nicht zuletzt für unsere Alten und Kranken in der Gemeinde und unserem Dorf. Ruft sie an, schreibt ihnen, habt Interesse an ihnen, betet für sie. Im Gemeindeverzeichnis stehen die Kontakte, jeder freut sich über ein ernstgemeintes „Wie-geht-es-dir?“, einen kleinen Gruß oder die Frage: „brauchst du was?“

Mit einem lieben Gruß endet hier mein Artikel, wenn ihr Fragen habt, meldet euch gern bei mir

Steffi Simon

P.S. Die namentlichen Erwähnungen sind mit den Angehörigen abgesprochen.