Eine Corona-Freizeit funktioniert!

Video: Katrin Wagner

Gemeinschaft in Zeiten der sozialen Isolation. Auf engstem Raum zusammenleben, während Hygieneregeln unseren Alltag bestimmen. Urlaubsfeeling im Heimatdorf.

Gegensätzlichkeiten, die unvereinbar scheinen. Doch sind sie das wirklich?

Nein.

Wir haben bewiesen, dass es möglich ist. Mit unserem „Corona-Summer-Camp“ haben wir all diese Gegensätze miteinander verbunden und obendrauf noch eine geniale Zeit gehabt.

Was ist dieses „Corona-Summer-Camp“?

Kurz gesagt: Eine Freizeit der etwas anderen Art.

Unser Ziel als Mitarbeiterteam war, den Teilnehmern eine vollwertige Freizeit zu bieten, die aber selbstverständlich den aktuellen Corona-Richtlinien folgt. Dafür hat unser Pastor Simon Birr in enger Zusammenarbeit mit Bürgermeister Andreas Thomas ein Konzept entwickelt, welches alles möglich gemacht hat. Konkret: Wir haben gezeltet – und zwar im Garten des Pastors. Mitten in Ewersbach haben wir eine Freizeit veranstaltet. Urlaub zuhause.

Immer abwechselnd haben wir im Camp und zuhause geschlafen, hatten also immer einen Tag Programm und dann eine Regenerationsphase. Es gab auch Regeln. Beispielsweise durften Nahrungsmittel am Buffet nur mit Handschuhen und Mundschutz verteilt werden und: Täglich war Fieber zu messen. Außerdem hatten wir abgesperrte Bereiche, in denen sich immer nur zehn Personen aufhalten durften. Das alles klingt hart, war aber am Ende echt einfach einzuhalten.

Eine echte Freizeit!

Wir hatten 100% Campatmosphäre mit Zelten, Bierzeltgarnituren und Grillfeuer.

In Kürze: Das Ergebnis war einfach genial!

Wir sind am Sonntag mit neun Teilnehmern gestartet, im Laufe der Woche wurden es immer mehr. Wir durften immer wieder feststellen, was für eine tolle Gruppe wir da hatten – hilfsbereit, eigenständig, freundlich und immer motiviert. Bei den Workshops, ob Sport, Handlettering, Poetry Slam, Bodypainting, Haare färben (nur mit Haarkreide natürlich) oder Angeln, waren immer alle dabei und haben stets gute Stimmung verbreitet.

Oft haben wir sogar festgestellt, dass wir Mitarbeiter gar nicht so sehr gebraucht wurden und die Teens sich problemlos auch mal ein paar Stunden selbst beschäftigen konnten. Dafür sind wir wirklich von Herzen dankbar.

Auch alles andere hat wirklich unglaublich gut funktioniert. Richtig viele Mitarbeiter haben sich über die Woche engagiert; manche waren die ganze Zeit dabei, manche immer mal wieder zwischendurch. Diese große Zahl war wirklich gut, weil wir dadurch gaben-orientiert arbeiten und uns stets gegenseitig unterstützen konnten. Manche waren in der Küche, andere haben mal einen Workshop übernommen und wieder andere eine Andacht gehalten. Diese Vielfalt war wirklich toll.

Es gab sogar eine Fahne…

Dinge, die abgesehen vom Programm gelaufen sind, waren ebenfalls sehr gut. So hatten wir mehr als eine campinterne Wasserschlacht, unser Pastor hat richtig gelitten. Es gab auch Besuch von außen, der unsere Fahne klauen wollte. Da wir allerdings Sicherheitsabstand zu unseren Besuchern einhalten mussten, haben wir die Fahne einfach mit Kleister und jeder Menge Glitzer versehen, sodass sie sich quasi „selbst verteidigt“ hat. Die Eroberer glänzen noch immer. Das war ein großer Spaß für Mitarbeiter und Teilnehmer!

Das Einzige, was wirklich nicht so war, wie wir es uns gewünscht hätten, war das Wetter. Mehr als einmal haben uns Regengüsse oder sogar Gewitter einen Strich durch die Rechnung gemacht. Aber an dieser Stelle hat uns Gott wirklich mit viel Flexibilität beschenkt. An einem Tag hatten wir einen spontanen Indoor-Spieleabend, an einem anderen haben wir mit ein paar Mitarbeitern noch ein großes Spiel auf die Beine gestellt und einen Ausflug in die Dillenburger Kasematten gemacht – obwohl wir an diesem Tag eigentlich nur am Stauweiher entspannen wollten.

Auch an diesem Punkt bin ich sehr dankbar für eine wundervolle Gruppe an Teilnehmern, von denen ich trotz des Wetters keine einzige Beschwerde wahrgenommen habe.

Am Ende können alle sehen: Geniales Programm, geniale Gruppe, geniales Ergebnis!

Was nehme ich mit?

Wenn ich auf die Woche zurückblicke, nehme ich jede Menge Gedanken und Eindrücke mit. Aber insbesondere drei Dinge davon möchte ich mit der Öffentlichkeit teilen:

1. Es ist Großes möglich, wenn Menschen zusammenarbeiten.

Das Corona-Summer-Camp war ein absolutes Gemeinschaftsprojekt, bestehend aus einer großartigen Freizeitleitung, einem vielfältig begabten Mitarbeiterteam, einer wunderbaren Gruppe an Teilnehmern, einem unfassbar unterstützenden Bürgermeister und vielen tollen Menschen, die an uns gedacht und uns im Gebet unterstützt haben. Ein Einzelner hätte dieses Camp niemals veranstalten können – nur durch die Vielfalt und die gegenseitige Unterstützung war das möglich.

2. Flexibilität und Spontanität zahlen sich aus.

Ich bin ein Mensch, der gerne einen Plan hat. Auf einigen Freizeiten und Zeltlagern war ich dabei und hatte nie so wenig Plan, wie in der vergangenen Woche. Aber es hat sich wirklich gelohnt! Diese Flexibilität hat es uns nämlich nicht nur ermöglicht, das Camp überhaupt stattfinden zu lassen, sondern auch spontan zu entscheiden, wie wir unser Programm dem Wetter oder den Wünschen der Teilnehmer anpassen können. Und das war einfach gut.

3. Manchmal muss man einfach ein wenig Mut haben.

Das „Corona-Summer-Camp“ war sowohl bei Mitarbeitern als auch bei Teilnehmern mit vielen Ängsten, Sorgen und Fragen verbunden. Was, wenn sich jemand infiziert? Was, wenn wir unser Hygienekonzept nicht umgesetzt bekommen? Was, wenn ganz einfach schlechtes Wetter ist?

Doch dann betraten die ersten Teilnehmer mit leuchtenden Augen unseren Zeltplatz. Wir starteten unsere Woche und stellten mit der Zeit fest: Corona wird nicht irrelevant. Wir haben immer noch Bestimmungen, an die wir uns halten müssen. Aber da ist so viel mehr. Da ist Freude, Dankbarkeit, Nähe, Gemeinschaft, Zuneigung, Spaß – so ungemein viel Positives. Und all das hätten wir nicht erlebt, wenn wir nicht den Mut gehabt hätten, diese Freizeit trotz aller Unwägbarkeiten zu organisieren – und wenn unsere Teilnehmer nicht den Mut gehabt hätten, daran teilzunehmen.

Danke!

Abschließend möchte ich mich einfach nochmal bedanken! Bei allen Teilnehmern, die diese Zeit maßgeblich zu dem gemacht haben, was sie war; bei jedem einzelnen Mitarbeiter, der sein Herzblut in diese sieben Tage gesteckt hat; bei jeder Person, die uns im Gebet unterstützt hat; vor allem aber bei unserem genialen Gott – der uns vielfältig begabt und uns die Fähigkeit gegeben hat, in einer Zeit, in der wir viel zu oft von Ängsten bestimmt werden, mutig zu sein.

Sophia Steinseifer