Ein Haufen Sünder

„Wer seinen Traum von einer christlichen Gemeinschaft mehr liebt als die christliche Gemeinschaft selbst, der wird zum Zerstörer jeder christlichen Gemeinschaft, und ob er es persönlich noch so ehrlich, noch so ernsthaft und hingebend meinte.“

Dietrich Bonhoeffer

Dietrich Bonhoeffer war ein deutscher reformierter Theologe zur Zeit des Dritten Reiches unter Hitler. Er starb im Konzentrationslager. 

Er war noch relativ jung, aber er hatte etwas Entscheidendes erkannt, was uns als Gemeinde wirklich weiterhelfen kann.

Ich werde bald Pastor sein.

Zumindest ist das der Plan! Natürlich habe ich schon jetzt meine Vorstellungen, wie ich gerne Gemeinde bauen würde, wie meine zukünftige Gemeinde sein sollte. Sie sollte evangelistisch ausgerichtet sein, offen für Fremde und Neue sein, das Wort Gottes ernst nehmen und am besten sollten Klatsch und Tratsch in der Gemeinde nicht vorhanden sein, sondern wenn jemand ein Problem mit jemandem hat, geht er zu ihm hin und klärt das mit ihm direkt. 

Das sind nur ein paar wenige Gedanken meiner Wunschvorstellungen einer Gemeinde, die ich bauen möchte.

Wie sieht die Realität aus? Anders. Ganz anders. 

Wenn ich meinen Traum, wie Gemeinde sein soll, mehr liebe, als die Gemeinde an sich, dann werde ich diese Gemeinde nicht bauen, sondern sie eher zerstören.

Wenn ich die Gemeinde nicht erstmal vollkommen annehme, genauso wie sie ist, mit all ihren Schwächen, Macken und Kanten, mit all den Problemen und sündigen Verhaltensmustern, die ich entdecke, werde ich nichts erreichen können. 

Geduld und Barmherzigkeit!

Wer etwas verändern will, muss geduldig und barmherzig sein. So wie Gott mit uns umgeht, so sollen auch wir mit der Gemeinde umgehen.

Veränderung braucht Zeit, Arbeit und Gebet. Ich glaube es hilft, wenn wir aufhören, einen Traum von Gemeinde zu haben, der an der momentanen Wirklichkeit völlig vorbei geht und dann immer unzufrieden damit sind, dass unser Traum noch nicht erreicht ist. 

Versteht mich nicht falsch: Träumen ist super! Und Träume braucht man, um weiterzukommen. Dennoch sollten wir als erstes den Ist-Zustand akzeptieren und lieben lernen. Und erst dann weiterdenken. Gemeinde ist in erster Linie eine Gemeinschaft von begnadigten Sündern.

Wo Sünder zusammenkommen, ist nicht alles super, sondern einiges schief. 

Lieben wir die Gemeinde, so wie sie ist, als Haufen von begnadigten Sündern?

Jonas Schultze