Ein Glaubensheld kämpft nicht allein

Wie gerne wäre ich mutig und heldenhaft und dies nicht nur während einer Freizeit, eines Zeltlagers oder einer Jungscharstunde. Wie gerne wäre ich auch im Alltag, in der Schule und zu Hause ein Glaubensheld. Doch so oft fühle ich mich ängstlich, schwach und unsicher. Vielleicht geht es dir ähnlich. Vielleicht würdest du dich gerne als einen Menschen sehen, der einen Unterschied im Leben anderer Menschen macht und Gott vertraut, der mutig Schritte geht und sich nicht mehr von anderen Menschen und dem Leben einschüchtern lässt. Doch wie soll das gehen?

Ich muss zugeben, dass ich mich oft nicht als einen Glaubenshelden sehe, da mich die Dinge, die ich erlebe und die Not, die ich sehe, oft so herausfordern, dass ich gar nicht weiß wie ich handeln soll, was ich denken und fühlen soll. In den vergangenen Wochen habe ich so viel Not auf der Welt, aber auch in meiner Familie und meinem Freundeskreis gesehen: eine Freundin die mit Verdacht auf eine Krebserkrankung untersucht werden musste, Freunde und Familien-mitglieder die auf der Arbeit/in der Schule von anderen Menschen ausgegrenzt und gemobbt werden und vieles mehr.    
Ich kann mich noch an den einen Tag erinnern, als ich so durcheinander, traurig und irgendwie auch wütend war, dass ich das Gefühlschaos in mir drin nicht mehr aushalten konnte. Ich musste raus, raus von Zuhause. Also schnappte ich mir eine Decke und meine Bibel. Noch auf dem Weg zu meiner Lieblingsbank liefen mir die Tränen. Ich fing an, mit Gott zu reden und ihm all das zu erzählen, was mich bewegt und was mir das Herz zerreißt. Ich schrie zu ihm und forderte ihn auf, endlich einzugreifen, endlich zu helfen. Allmählich legte sich das Gefühlschaos und ich wurde etwas ruhiger. Ich erinnerte mich an einen Bibelvers, den ich gerne mit dir teilen möchte:   

Doch ich, ich rufe zu Gott, und ER wird mir helfen.

Psalm 55,17

Als ich diesen Vers las, verstand ich, dass die Antwort auf die oben gestellte Frage anders lautet, als ich dachte. Ich werde nicht zum Glaubensheld, indem ich versuche, alles allein auf die Reihe zu bekommen. Ich muss keine Antwort auf alle Fragen finden und meine Gefühle nicht immer verstehen können. Als Glaubensheld darf ich Fehler machen und mir Hilfe holen.  

Mit dem Vers möchte ich dich dazu ermutigen, Gott all das zu sagen, was dich gerade bewegt. Lass dir von IHM helfen, der dich auf eine so erstaunliche Art und Weise geschaffen hat und dich so sehr liebt. Du musst nicht mehr allein kämpfen, sondern kannst darauf vertrauen, dass du einen Gott an deiner Seite hast, dem einfach alles möglich ist.

In den Psalmen findest du selbstgeschriebene Texte von Menschen, die sich, so wie du und ich, in ausweglosen Situationen befanden, Not erlebten, alle möglichen Fragen hatten und von ihren Gefühlen überrumpelt wurden. Wenn du möchtest, kannst du in den nächsten Tagen mal den Psalm 42 und den Psalm 121 aufschlagen und nachlesen was diese Menschen (mit Gott) erlebt haben. Du kannst gerne auch einen eigenen Text schreiben und alle deine Gefühle und Gedanken aufs Papier bringen.

Judith Sommerfeld