Die Welt sehen

Vor kurzem habe ich das Buch „Keine Kompromisse“ von David Platt gelesen. David Platt hat mich als Christ herausgefordert, meinen Umgang mit Geld und die Einstellung dazu grundlegend zu bedenken. Auch wenn ich nicht allem in seinem Buch zustimmen kann, hat mich das dennoch stark zum Nachdenken gebracht. Wie leben wir als Christen in dieser westlichen Welt, wie leben andere Menschen in Ländern wie Kenia, Peru oder – um in Europa zu bleiben – in Bulgarien, dem ärmsten Land der EU? Wie ist mein Verhältnis zu Geld und Reichtum? 

Ich denke, es ist kein Geheimnis, dass wir Deutschen unseren Wohlstand genießen. Und das ist auch völlig in Ordnung. Wohlstand ist ein Geschenk Gottes und wir dürfen ihn genießen. Das möchte ich von vornherein klarstellen! Das hat Jesus nicht anders gelebt, nicht umsonst wurde er als „Fresser und Säufer“ (Matthäus 11, 19) bezeichnet. Er wusste anscheinend, wie man das Leben in genießt, auch wenn er selbst in armen Umständen lebte. Und dennoch sind seine Aussagen zu Geld und Reichtum eine echte Herausforderung für uns. So sagt er zu dem jungen, reichen Mann: „Wenn du vollkommen sein willst, dann geh und verkaufe alles, was du hast, und gib das Geld den Armen, und du wirst einen Schatz im Himmel haben. Dann komm und folge mir nach.“ (Matthäus 19, 21)

Ich bin reich!

Persönlich würde ich mich als „reich“ bezeichnen und das obwohl ich Student bin. Ich habe weit mehr, als ich zum Leben brauche, habe ein Auto, ein Dach über dem Kopf, einen Schrank voller Kleidung und Essen im Überfluss. Ich finde, wir machen es uns zu einfach, wenn wir Jesu Aussagen, die er über „Reiche“ macht, ganz von uns weisen, weil wir ja nicht reich wären. Wenn ich mich mit Bill Gates vergleiche, bin ich natürlich ein armer Schlucker. 

Ich möchte mich an Paulus halten, der in 1. Timotheus 6,8 sagt: „Deshalb wollen wir zufrieden sein, solange wir nur genug Nahrung und Kleidung haben.“ Ich bin mir sicher, dass das auf uns alle zutrifft, die wir das Lesen. Wenn wir uns nicht als reich bezeichnen, wer ist es dann?  Im Gegensatz dazu haben mehr als eine Milliarde Menschen jeden Tag weniger als einen Dollar zum Leben. 

Ich möchte noch einmal auf das Buch vom Anfang zu sprechen kommen und einen Satz weitergeben, der mich bewegt hat: David Platt sagt darin sinngemäß: „Heute fragen wir uns, wie die Christen vor 150 Jahren Sklaverei mit ihrem Glauben vereinbaren konnten. Ich frage mich, ob spätere Generationen sich nicht wundern, wie wir in unserem krassen Wohlstand leben konnten, während Milliarden von Menschen auf dieser Welt unter der Armutsgrenze leben.“

Eine unverschämte Aussage!

Dieser Satz hat mich schockiert. Und er hat mich auch wütend gemacht. Sowas höre ich einfach nicht gerne. Ich mag es nicht, wenn jemand meinen Lebensstil kritisiert oder hinterfragt. Aber bei längerem Nachdenken wurde mir klar, dass ich das ähnlich sehe. 

Ich glaube, dass wir als Christen eine Verantwortung für diese Welt haben. Gott liebt die ganze Welt. Sein Herz schlägt für sie. Das Alte und das Neue Testament sind voll von Geschichten und Aussagen, die zeigen, dass sein Herz besonders für die Armen und Benachteiligten pocht (z.B. 3. Mose 19, 9-10; 5. Mose 15, 1-11; Lukas 4, 17-19). Wenn ich ehrlich bin, reichen meine Liebe und Fürsorge aber nur selten über mein eigenes Zuhause und meine Familie hinaus. Dabei wünscht sich Gott, dass wir ein Herz für die gesamte Welt bekommen. Ich glaube fest, dass der Wohlstand, den wir hier in Deutschland genießen, ein Geschenk Gottes ist. Genauso überzeugt bin ich aber auch, dass wir diesen nicht für uns behalten sollten, während andere Menschen in bitterer Armut leben.
Wiebke Schmidt-Holzhüter, Missionarin auf den Philippinen, sagte am 22. März im Gottesdienst-Live-Stream der Allianz-Mission, dass allein in Manila eine Millionen Straßenkinder leben – eine Million! Und sie sagte, dass in Zeiten von Corona selbst die ärmsten Christen dort etwas von dem wenigen abgeben, was sie haben, um anderen zu helfen. 

Ich befinde mich in einem totalen Zwiespalt. Auf der einen Seite weiß ich, dass es Milliarden von Menschen auf dieser Welt gibt, denen es so viel schlechter geht, als mir, und dass Gott sich wünscht, dass wir uns um diese Menschen kümmern, sei es in Deutschland oder auf den Philippinen. Auf der anderen Seite darf ich meinen Wohlstand aber auch genießen und muss dafür kein schlechtes Gewissen haben. 

Letztendlich gibt es für diese Spannung kein allgemeingültiges „Lösungsmittel“. Ich glaube, dass Beste, was wir tun können, ist Gott zu bitten, dass er uns zeigt, ob wir in diesem Bereich einen blinden Fleck in unserem Leben haben. Und das kann weh tun! So war es zumindest bei mir. 

Aber es kann auch eine totale Bereicherung für unser Leben sein. Beim Geben handelt es sich nicht nur um einen Verlust, sondern auch um einen Gewinn. So sagt Jesus zu dem jungen Mann: „Und du wirst einen Schatz im Himmel haben. Dann komm und folge mir nach.“ Alles verkaufen, was man hat, das muss nicht jeder von uns. Aber von manchen von uns fordert Gott das tatsächlich. 

Wichtig ist: Wir können uns den Himmel nicht verdienen, indem wir spenden. Jesus sagt: Verkaufe alles, und dann folge mir nach! Die Nachfolge ist das Entscheidende, der Glaube an ihn. Der reiche Jüngling hing mit seinem ganzen Herzen an seinem Reichtum, das war das Problem. Reichtum ist nichts Schlechtes. Die Frage ist aber, ob wir uns davon abhängig machen und ihn für uns behalten wollen.

Konkrete Schritte:

Mir persönlich haben ein paar Schritte auf diesem Weg geholfen, auf dem ich mich noch immer befinde: Einen veränderten Umgang und eine andere Sicht auf meinen Besitz zu bekommen.

Zum einen bewegt uns Armut und Ungerechtigkeit in dieser Welt erst wirklich, wenn wir ein Gesicht vor Augen haben. Andernfalls bleibt es bei einer abstrakten, fernen Wahrnehmung. Bei einer Patenschaft z.B. ist das anders. Man sieht, wem man konkret helfen kann und hat ein Gesicht vor Augen, welches das eigene Herz bewegt und ermutigt, von unserem eigenen Reichtum abzugeben.

Zum anderen öffnet Gebet unsere Augen für diese Welt. Es gibt so viele Länder, die bisher nicht in meinen Gedanken auftauchten. Ich möchte dich ermutigen, bewusst für Länder und ihre Probleme zu beten, die du bisher noch nicht auf dem Schirm hattest. Befasse dich mit den Ländern und ihren Problemen. Das öffnet den Horizont und hilft uns, Gottes Herz für die ganze Welt ein Stückchen mehr zu verstehen. 

Paulus sagt in 2. Korinther 5, 5-8:

„Ich möchte jedoch, dass es ein freiwilliges Geschenk ist und keines, das unter äußerem Druck gegeben wird. Denkt daran: Ein Bauer, der nur wenig Samen aussät, wird auch nur eine kleine Ernte einbringen. Wer aber viel sät, wird auch viel ernten.  Jeder von euch muss selbst entscheiden, wie viel er geben möchte. Gebt jedoch nicht widerwillig oder unter Zwang, denn Gott liebt den Menschen, der gerne gibt.  Er wird euch großzügig mit allem versorgen, was ihr braucht. Ihr werdet haben, was ihr braucht, und ihr werdet sogar noch etwas übrigbehalten, das ihr mit anderen teilen könnt.“

Freiwillig geben!

Von unserem Reichtum abzugeben sollte freiwillig und mit fröhlichem Herzen geschehen. Die Frage ist, was hält uns davon ab? Heute können wir anderen Menschen helfen, morgen schon brauchen wir selbst vielleicht Hilfe von anderen. Auch mit finanzieller Hilfe kann man in dieser Welt ein Stück weit mehr Gerechtigkeit schaffen. Und das ist Gottes Anliegen für diese Welt: Gerechtigkeit. 

Jesus hat das Leben genossen als er auf dieser Erde war. Er war dankbar für die Sachen, die er hatte und zum Leben brauchte, und für die Sachen, die darüber hinausgingen. Er feierte mit den Menschen und freute sich mit ihnen. Und gleichzeitig hatte und hat er ein Herz für alle, denen es nicht so gut geht und ging wie ihm. Und in dieser Spannung lässt er uns. Lasst uns dafür beten, dass wir ihm in diesem Punkt ein Stück weit ähnlicher werden können. Das können wir nicht erzwingen oder leisten. Diese Veränderung kann nur Gott schenken. Aber er tut es, wenn wir ihn darum bitten und uns darauf einlassen. 

„Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich.“ Matthäus 19,26

Ich lade dich ein, in den nächsten Tagen zwei Dinge zu tun:

  1. Für die Welt beten

Nimm dir gezielt Länder vor, die bisher nicht in deinen Gedanken vorkamen. Informiere dich über die Sorgen und Nöte der Menschen Vorort und bete gezielt für sie.

  1. Gezielt geben

Als nächstes bitte Gott darum, dir ein gebendes Herz zu schenken und gib das, was dir auf dem Herzen liegt und was dir Freude bereitet. So kannst du die Welt ein stück besser machen.

Jonas Schultze