Die Welt dreht sich weiter

In diesen Tagen geistern viele Verschwörungstheorien um die Welt. Und auch in unseren Gemeinden gibt es einige, die sagen, dass dies nun das Ende der Welt ist oder es zumindest einläutet. Corona ist ein Vorzeichen der Endzeit.

Ich kann jetzt auch schlecht sagen, dass das auf keinen Fall so ist, denn das weiß ich ja nicht. Ich glaube nicht daran, aber dennoch kann ich nur sagen: ich weiß es nicht, wir wissen es nicht.

Heute möchte ich 4 Ereignisse der Weltgeschichte aufzeigen, bei denen die damals lebenden Christen fest davon überzeugt waren, dass dies nun das Ende ist. Aber sie alle irrten sich.

Die Pest im Mittelalter 

Corona ist furchtbar. Menschen sterben, haben Angst, werden krank. Keine Frage! 
Bei der Pest, dem sogenannten „schwarzen Tod“, der zwischen 1346 und 1353 wütete, starben in Europa geschätzte 25 Millionen Menschen. Auch damals kam der Krankheitserreger aus dem Osten, aus Asien. Ein Drittel der Gesamtbevölkerung starb. Das kann man sich kaum vorstellen. 

Damals dachten die Christen erst recht, dass dies das Ende sei.
Ganz ehrlich: absolut verständlich für mich! 

Und dennoch: Es war nicht das Ende. Die Welt dreht sich noch weitere knapp 800 Jahre bis heute weiter.

Martin Luther und die Türken

Im Jahr 1529 belagerte eine riesige türkische/osmanische Armee die Stadt Wien. Ein Heer von „Ungläubigen“, von „Antichristen“, wie sie damals bezeichnet wurden, stand mitten im Herz Europas. Würde Wien fallen, stände ganz Europa in Gefahr, erobert und islamisiert zu werden.

Besonders Martin Luther sah dies als enorme Gefahr an. Die Türken waren für ihn Vorboten der Endzeit, die er fest zu seinen Lebzeiten erwartete. Und der Papst war der Antichrist. Davon war er überzeugt. All die Dinge, die zu seiner Zeit geschahen, waren für ihn eindeutige Zeichen dafür.

So sehr ich Luther schätze: Auch er hat sich geirrt.

Die Welt dreht sich weitere 500 Jahre weiter, bis heute.

Der erste Weltkrieg

Von 1914-1918 wütete der „Große Krieg“ in Europa und auf der Welt. Genaue Zahlen sind unklar, aber man schätzt, dass ca. 30 Menschen ihr Leben durch diesen Krieg verloren haben, darunter waren die meisten Opfer ziviler Art.

Junge Menschen wurden wie wertloses Kanonenfutter behandelt, an die Front geschickt, mit der Überlebenschance einer Eintagsfliege. Allein bei Verdun in Frankreich starben 600.000 Deutsche und Franzosen oder wurden verwundet. Jeder Quadratmeter in Verdun wurde von unzähligen Granaten und Artilleriegeschossen umgewälzt. Das Land glich einer Einöde, einem leblosen, gar lebensfeindlichem Raum. 

So einen Krieg hatte die Menschheit bis dahin noch nicht erlebt. Und dass, obwohl wenige Jahre zuvor die Christen auf der Weltmissionskonferenz in Edinburgh 1910 fest davon überzeugt waren, dass schon bald die gesamte Welt missioniert werden würde und Christus endlich wiederkommen kann.

Und dann kam alles anders. Anstatt das Evangelium zu verbreiten, wurde Tod, Angst und Schrecken in einer nie gewesenen Art und Weise verbreitet.

Das muss das Ende sein, dachten auch die Christen. So viel Leid, so viel Krieg, so viel Hunger. Genau das hatte doch Jesus angekündigt!

So verständlich auch das sein mag: Sie irrten sich.

Die Welt dreht sich weitere 100 Jahre weiter, bis heute.

Der zweite Weltkrieg

Nach dem ersten Weltkrieg wurden einige wichtige Dinge in der Welt verändert. Deutschland wurde Republik, das Kaiserreich war Geschichte. Demokratie hielt Einzug. Frauen durften endlich wählen. Der Völkerbund wurde gegründet.

Aber es hielt nicht lange an. Grade mal 20 Jahre nach dem Ende des ersten Weltkriegs kam ein Krieg, der noch weit mehr Todesopfer fordern sollte. 50 Millionen Menschen wurden getötet, verhungerten oder in Gaskammern erstickt. 6 Millionen Juden wurden ermordet, viele mehr zur gleichen Zeit von Stalin in Russland ebenso, nur nicht so systematisch wie unter Hitler.

Wenn die ganze Welt im Krieg versinkt, die Städte kaputt gebombt werden, und selbst Gottes auserwähltes Volk vernichtet zu werden scheint, MUSS es die Endzeit sein.

Wieder einmal kann ich nicht sagen, dass ich nicht ähnlich gedacht hätte. 

Aber auch die Christen damals irrten sich. Auch das war nicht das Ende. Die Welt dreht sich weitere 80 Jahre weiter. Und erlebt eine nie dagewesene Friedenszeit in Europa. Halleluja!

Wir werden immer wieder in Situationen kommen, in denen uns der Boden unter den Füßen wegzubröckeln scheint. Das war schon immer so, und wird auch immer so bleiben. Bis Jesus endlich wiederkommt. Aber wann das sein wird, wissen wir nicht. 

Also lasst uns weiterleben, so wie Jesus es uns aufgetragen hat. In seiner Liebe den Menschen begegnen und ihnen in Wort und Tat zeigen, wie sehr Gott sie liebt. Das gilt für die Endzeit, aber auch für jeden anderen Tag, wie heute.

Jonas Schultze