Die Kraft der zarten Blumen

Neulich, beim Spaziergang im noch winterlichen Wald, wurde ich von ganzen Feldern voller Schneeglöckchen überrascht. Diese zarten Blumen sind ja eine der ersten Frühjahrsboten. Womit ich aber nicht gerechnet hätte, ist die Kraft, die sie mitbringen. Der Waldboden ist bedeckt von einer dicken, nassen Schicht altem Laub. Doch diese zarten Pflanzen werden davon nicht in ihrem Wachstum behindert. Im Gegenteil, durchbrechen sie mit den jungen Trieben das alte Laub, heben ganze Schichten von Blättern an und schaffen sich ihren Raum. Das Wachsen der neuen Blumen ist nicht aufzuhalten.

Am Ende des Winters mag man gar nicht mehr daran glauben, dass es in der kahlen Natur wieder Leben geben kann. Und doch bricht es auf. Und zwar mit einer Kraft, das klar wird: Der totwirkende Winter hat nicht das letzte Wort.

Das Leben besiegt den Tod. Das ist – kurz zusammengefasst – die Osterbotschaft. Jesus stirbt und bleibt doch nicht gestorben. Gottes ganze schöpferische Kraft weckt ihn wieder zum Leben auf. Seit dem Moment hat alle Vergänglichkeit, alles Kaputte, alles Zerstörerische nicht mehr das letzte Wort. Das Leben hat den Tod besiegt.

Manchmal können wir das nicht glauben. Alles, was wir wahrnehmen, spricht dagegen. Wir ahnen nicht, dass da bereits Triebe wachsen unter der dichten, verrottenden Laubschicht. Wir können uns nicht vorstellen, dass da ein Neuanfang möglich ist, wo so viel kaputt gemacht wurde. Wir sehen nicht, dass es nach dem Tod noch weiter geht.

Aber nur, weil ich die aufwachsenden Schneeglöckchen nicht sehe, heißt es nicht, dass es sie nicht gibt. Nur weil ich mir nicht vorstellen kann, dass diese zarten Pflanzen die Kraft haben, das nasse Laub anzuheben, heißt es nicht, dass sie es nicht schaffen. Nur, weil ich mir nicht vorstellen kann, dass es eine Auferstehung und ein neues Leben geben kann, heißt es nicht, dass es unwahr ist.

Jesus sagt in der Bibel (Johannes 11,25):

„Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer mich annimmt, wird leben, auch wenn er stirbt. Und wer lebt und sich auf mich verlässt, wird niemals sterben, in Ewigkeit nicht. Glaubst du das?“

Cordula Lindörfer
mit herzlichen Ostergrüßen unserer Partnergemeinde, der StartUp-Kirche Eisenach,
zuerst veröffentlicht in der Thüringischen Landeszeitung Eisenach.