Die Heilung der zwei Blinden

Ein Impuls zu Matthäus 20,29-34: 

Jesus ist unterwegs, mit seinen Jüngern und vielen Menschen im Gefolge. Menschen, die von Jesus in irgendeiner Form beeindruckt sind und die noch mehr mit ihm erleben wollen.

Die Menge kommt an zwei Blinden vorbei, die am Weg sitzen.

Wenn ein Sinnesorgan ausfällt, funktionieren die anderen dafür umso besser. Die beiden Männer am Wegesrand können nicht sehen, dafür aber exzellent hören. Sie erfassen in dem Trubel die Anwesenheit Jesu und machen sich sofort durch lautes Rufen bemerkbar:  „Herr, du Sohn Davids, erbarme dich unser!“

Für die Menschen, die Jesus begleiten, sitzen die beiden blinden Männer plötzlich nicht mehr nur am Weg, sondern im Weg. Sie reagieren empört. Rufen vielleicht Worte aus, wie: „Hört auf, seid still! Ihr stört. Belästigt unseren Meister nicht!“ Die Blinden lassen sich davon in keinster Weise einschüchtern. Im Gegenteil: Sie erheben ihre Stimmen noch mehr und flehen Jesus um Hilfe an.

Das Verhalten dieser Männer ist erstaunlich. Sie lassen sich nicht bedrohen. Sie sind mutig. Es ist ihnen egal, dass sie auffallen, nichts ist ihnen peinlich! Sie sind voller Hoffnung, mehr noch – voller Vertrauen – dass Jesus die Macht hat, ihnen zu helfen.

Ein erster Erfolg stellt sich ein:

Jesus bleibt stehen, ruft sie zu sich und fragt nach ihrem Anliegen. Na, Jesus, wie bist du denn drauf? Sag bloß, du hast bei dem ganzen Geschrei nicht mitbekommen, um was es hier geht? Doch, das hat er ganz sicher! Aber Jesus geht auf seine ganz eigene Art mit den Zweien um: Zum einen bleibt er nicht sofort stehen. Die Menge hat vor ihm reagiert; den beiden Männern bereits die vermeintliche Antwort Jesu gegeben. Als diese sich gar nicht beruhigen wollen, hartnäckig bleiben, bleibt Jesus endlich stehen. Er ist nicht empört, fühlt sich gestört. Nein. Er bittet die Männer näher zu kommen. Zeigt ehrliches Interesse. Er fordert sie auf, ihm genau zu sagen, was sie  von ihm wollen. Jesus, kannst du dir das nicht denken? Du weißt doch, du hast es doch gehört, was die zwei „Störenfriede“ von dir wollen. Jesus ist es wichtig, dass sie ihr Anliegen exakt formulieren. Die an ihn gerichtete Erwartung laut aussprechen. „Herr, dass unsere Augen geöffnet werden!“ Sie setzen alles auf eine Karte: Die Männer wollen nicht nur endlich sehen können, sondern auch die Wahrheit über Jesus erfassen. Ihre Ansprüche sind hoch! 

Die Blinden bewirken etwas, was äußerlich zunächst nicht erkennbar ist: Sie treffen Jesus mitten ins Herz. Die Folge davon ist sein machtvolles Handeln. Durch eine schlichte Berührung ihrer Augen, ändert sich das Leben der beiden Männer grundlegend. Sie können sehen und zwar so umfassend, dass sie sich sofort Jesus anschließen und mit ihm gehen.

Diese Geschichte und ich.

Vieles spricht mich an dieser Geschichte an, obwohl ich mich nicht direkt mit den Blinden identifizieren kann. Gott sei Dank kann ich sehen! Ich bewundere die Energie, die die beiden an den Tag legen, um Jesu Aufmerksamkeit zu gewinnen. Ich frage mich, ob ich das auch tun würde. Mich von nichts und niemand aufhalten lassen, deutlich, für alle sichtbar, Jesus um Hilfe anflehen. Ich kenne mich und weiß, dass ich da zurückhaltender wäre. Auf diese Weise in Erscheinung zu treten ist doch peinlich, da bleibe ich doch lieber in meiner Komfortzone. Ich möchte nicht, dass andere mit dem Finger auf mich zeigen oder mich schlimmstenfalls sogar bedrohen. Ich wundere mich auch über das Vertrauen, das die beiden Männer Jesus entgegenbringen. Sie können schließlich nicht mal eben Google bemühen, um mehr über diesen Typ zu erfahren, der durch die Lande zieht und merkwürdige Dinge tut und sagt. Sie erwarten nicht weniger als ein Wunder von Jesus und sie werden nicht enttäuscht! 

Ich will mir die beiden als Vorbilder nehmen, hartnäckiger, vertrauensvoller, offener, mutiger sein. Wenn es sein muss, alles auf eine Karte setzen. Jesus kann auch meine Sehfähigkeit noch verbessern. Schließlich möchte ich die Wunder, die er bereit ist zu tun, nicht verpassen!

Carmen Herz