Corona und andere Gefahren

In unseren Veranstaltungsräumen hat die Flächendesinfektion Einzug gehalten. Der Virus lauert überall, wir wollen um jeden Preis eine Ansteckung in unserem Gebäude ausschließen. Masseninfektionen sind in den letzten Wochen durch die Presse gegangen, neben Zuckerfestfeiern waren auch christliche Gottesdienste Ort der Verbreitung und Anlass für kritische Nachfragen.

Nun stehen überall mahnend die Flaschen von Desinfektionsmitteln bereit. Zusammen mit einer Küchenrolle sollen sie die Akteure mahnen, die genutzten Gegenstände keimfrei zu hinterlassen.

Der Hersteller des Präparats bietet sein Produkt in Flaschen an, die auch Limonade enthalten könnten. Damit nicht genug: als Logo hat er ausgerechnet einen süßen Seehund auserkoren.

Noch ist unser Haus fast kinderfrei…

Wir hoffen auf die behördlichen Entwarnungen, um dann wieder mit unseren Kinderangeboten starten zu können.

Nur was ist dann mit den Desinfektionsmitteln und den niedlichen Etiketten? Was ist, wenn sie mit einer Getränkeflasche verwechselt werden? So habe ich kurzerhand die Seehunde mit hässlichen Totenköpfen verunstaltet.

Was ist wichtiger?

Die Besucher vor dem Virus oder die Kinder vor einer möglichen Vergiftung zu schützen? Ich bin mir übrigens sicher, dass man eine Zunahme von solchen Unfällen für das Jahr 2020 statistisch nachweisen wird.

Corona hat uns viele solcher Konflikte beschert.

Nicht immer waren die Gefahren, die auf beiden Seiten des Weges lauern, gleichermaßen bewusst.

– OPs wurden verschoben, um die Kapazitäten für Corona-Patienten frei zu halten. Unterbliebene OPs werden vereinzelt große Nachteile gehabt haben.

– Altenheimbewohner wurden über Wochen weitgehend von ihren Angehörigen abgeschottet, um Ansteckungen zu vermeiden. Für einige Heimbewohner hat das schwerwiegende Folgen gehabt (z.B. ein Fortschreiten der Demenz).

– Für Studierende wurden die Präsenzveranstaltungen für das Sommersemester ausgesetzt. Nicht jeder Studierende und nicht jeder Dozent ist mit den neuen Formaten klar gekommen. Die Folgen werden bis zu Studienabbrüchen reichen.

– Um eine Ausbreitung der Infektion zu verhindern, wurde der grenzüberschreitende Verkehr und Handel in vielen Teilen der Welt erheblich eingeschränkt – mit zum Teil schwerwiegenden Einbrüchen in der Versorgungslage (Afrika).

Nicht immer wurden die schwerwiegenden Folgen von Sicherheitsmaßnahmen bedacht. Keiner zählt sie. Und selbst wenn sie im Blick waren: Wie will man die (medial allgegenwärtige) Lebensbedrohung gegen verschobene medizinische Hilfe, gegen Einsamkeit, gegen gescheiterte Bildungserfolge und gegen die Existenznöte in fernen Ländern ohne Soforthilfepakete abwägen?

Und doch kommen wir alle um eine Abwägung nicht herum:

– Wieviel Vorsicht ist gut, wieviel Gelassenheit (Gottvertrauen) sollte ich meinen Kindern mitgeben?

– Wieviel Distanz zu Risikogruppen muss sein, wann beschädigt sie ihren Lebensmut unwiderruflich?

Hier gibt es viel Unsicherheit und keine einfachen Antworten. Nur eins ist auf jeden Fall gut: Der Austausch mit anderen, die vor ähnlichen Fragen stehen. Im Zweifelsfall am Telefon!

Marcus Schäfer