Beten verändert den Beter!

Beten ist eine Vertrauenssache zwischen Gott und Menschen. Da ist es ganz natürlich, Gott alle unsere Wünsche, Ideen, Sorgen, Ängste, Zweifel, Fehler, und und und … im Gebet zu nennen. Dabei erleben wir nicht selten, wie Gott offenbar entgegen unseren Wünschen und Vorstellungen völlig anders handelt und antwortet. Vielleicht fragen wir uns sogar: Können wir den Worten Jesu „Bittet, so wird euch gegeben“; und „alles, was ihr bittet im Gebet, so ihrs glaubet, werdet ihrs empfangen“ nicht vertrauen und glauben, haben sie keine Gültigkeit, keine Verlässlichkeit? Oder ist unser Gebet zu schwach und kraftlos?

Auch wenn uns diesbezüglich der Blick durch den Horizont verwehrt bleibt, Gottes Antworten auf unsere Gebete sind immer richtig, auch dann, wenn sie völlig anders ausfallen, als von uns erwartet. Wenn wir beten, verändert Gott nicht immer andere Menschen und Umstände, auch wenn wir noch so intensiv darum ringen, nein, Gott arbeitet oft an uns, damit wir uns verändern. Von dem dänischen Religionsphilosoph SØren Kierkegaard stammt die treffliche Aussage: „Das Gebet verändert Gott nicht, aber es verändert denjenigen, der betet“.

Vielleicht helfen uns nachstehende Worte eines unbekannten Soldaten, dies besser zu verstehen:

„Ich bat Gott um Stärke, aber er machte mich schwach, damit ich Bescheidenheit und Demut lernte.
Ich bat Gott um Hilfe, um große Taten zu vollbringen. Er machte mich kleinmütig, damit ich gute Taten vollbrachte.
Ich bat um Reichtum, um glücklich zu werden. Er machte mich arm, damit ich weise wurde.
Ich bat um Dinge, damit ich das Leben genießen könne.
Er gab mir das Leben, damit ich alle Dinge genießen lerne.
Ich erhielt nichts von dem, was ich erbat – jedoch alles was gut für mich war.
Gegen mich selbst wurden meine Gebete erhört.
Ich bin unter allen Menschen ein gesegneter Mann!“

Wenn Gott unsere Wünsche und Bitten nicht so erfüllt, wie wir es gerne hätten, so kann es sein, dass Gott uns selbst verändern will, damit wir eine andere Einstellung zu unseren Erwartungen bekommen. Das ist manchmal ein schmerzhafter – aber doch heilsamer Prozess. Gott weiß die Dinge unseres Lebens zu ordnen und wenn er uns verändert, dann wollen wir es an uns geschehen lassen – uns zugute! In diesem Zusammenhang dürfen wir die Aussage von Dietrich Bonhoeffer verstehen: „Gott erfüllt nicht alle unsere Wünsche, aber alle seine Verheißungen“.

Heinz Gimbel