Ausgesorgt

„Liebe Seele, du hast einen großen Vorrat für viele Jahre; habe nun Ruhe, iss, trink und habe guten Mut!“

(Lukas 12,19)

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Nun, für viele Jahre reicht unser Vorrat gewiss nicht, aber ein paar Wochen kämen wir wohl schon über die Runden. Vom viel zitierten Klopapier haben wir gute zwei Packungen im Haus. Noch vor einem Monat haben wir die Wiederbeschaffung bis zur letzten Rolle ausgereizt. Ein Karton mit Konserven wartet in der Speisekammer, ebenso eine Packung H-Milch, mindestens vier Tüten Mehl und zwei Tüten Zucker, diverse Gläser mit Kirschen, Stachelbeeren, Bohnen und Apfelmus. Kühl- und Gefrierschrank sind gut gefüllt. Selbst reichlich Brennholz ist noch übrig vom Winter, doch jetzt soll ja erst einmal der Sommer kommen.

Ist das jetzt schon „Hamstern“ oder nur die umsichtige Bevorratung, zu der ja sogar die Kanzlerin ermutigt hat? Anders als sonst hat die Tankanzeige unseres Pkw keine Gelegenheit aufzuleuchten. Einer aus der Familie sorgt immer für Nachschub, so dass der Zeiger fast ständig am rechten Ende der Anzeige klebt. Selbst das Profil der Reifen ist satt im grünen Bereich, vom Wischwasservorrat ganz zu schweigen.

Allein das Internet schwächelt etwas. Doch wen wundert´s bei all den Berufstätigen im Home-Office und den Schülern, die fleißig mit Lernaufgaben versorgt werden. Doch das macht uns nicht wirklich Not. Beunruhigend ist allenfalls, dass es einfach keine bezahlbaren Atemschutzmasken zu kaufen gibt. Von diesem kleinen Wermutstropfen abgesehen können wir uns entspannt zurücklehnen: „Hab nun Ruhe, iss, trink und habe guten Mut!“

Die Geschichte vom reichen Kornbauern kommt mir unwillkürlich in den Sinn. Ein Bauer vergrößert seine Scheunen, um mehr Vorräte aufbewahren zu können. „Ein kluger Mann“, denken wir. Doch in der Geschichte kommt er nicht gut weg. Für Jesus ist der Bauer ein Beispiel für Menschen, die nicht auf Gott, sondern auf sich selbst vertrauen. Gleiche ich ihm mehr, als mir lieb ist?

Haben wir bisher von der Hand in den Mund (von einem Wocheneinkauf zum nächsten) gelebt, haben die Deutschen und mit ihnen auch wir die Vorratshaltung neu entdeckt. Erinnerungen kommen hoch an den Vorratskeller meiner Großmutter: volle Regale mit Eingewecktem, lange rote Würste, selbst gebrauter Schlehenschnaps und Obstsäfte für uns Kinder, ja selbst ein großer Steingut-Topf mit Sauerkraut fand sich in dieser Schatzkammer. 

Kann man an der Zahl der Klopapierrollen unsere menschliche Arroganz und unser mangelndes Gottvertrauen messen? – Wohl kaum! Im Gegenteil: Selbstgefällig waren wir vielleicht vor vier Wochen, jetzt sind wir beunruhigt. Die gefüllten Regale zeigen unsere Sorge. Unsere Selbstsicherheit ist erschüttert, viele Menschen machen sich Gedanken. Mit diesen Gedanken sind sie „nicht fern vom Reich Gottes“. Sie ahnen, dass wir unser Leben nicht im Griff haben, sondern es Gott verdanken.

Marcus Schäfer