Aus eins mach zwei

Hast du dich schon mal gefragt, wieso Deutschland überhaupt ein „christliches“ Land ist? Ich meine, es liegt weit weg von Israel und Jerusalem, da wo Jesus damals angefangen hat, vom Reich Gottes zu predigen und Jünger um sich zu sammeln, die später Gemeinden gründeten. Genau genommen liegen über 3000 Kilometer zwischen Ewersbach und Jerusalem. Und doch beten wir heute den dreieinigen Gott an, der sich durch Jesus in Israel offenbart hat. Wie ist das überhaupt möglich, dass aus einer Handvoll Leute, die Jesus um sich geschart hat, eine Bewegung entstand, die bis an die Grenzen der Erde weiterläuft – und das bis heute? Faszinierend, oder?

Es hängt damit zusammen, was Jesus seinen Jüngern mitgegeben hat, als er wieder zu seinem Vater im Himmel zurückgekehrt ist. Wir lesen davon in Matthäus 28, 18-20

„Jesus kam und sagte zu seinen Jüngern: Mir ist alle Macht im Himmel und auf der Erde gegeben. Darum geht zu allen Völkern und macht sie zu Jüngern. Tauft sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alle Gebote zu halten, die ich euch gegeben habe. Und ich versichere euch: Ich bin immer bei euch bis ans Ende der Zeit.“

Vielleicht kennst du diesen Text, es ist der bekannte „Missionsbefehl“ Jesu. Nicht selten wird damit in Verbindung gebracht, dass jeder Christ am besten ins Ausland reist, um dort zu missionieren. Das ist meiner Meinung nach aber ein Missverständnis. Natürlich sollte es Christen geben, die sich in fremde Länder aufmachen, um dort das Evangelium zu verkündigen. Hätte es solche Menschen nicht gegeben, würden wir heute in Deutschland vielleicht immer noch an Hel, Heimdall oder Loki glauben (für alle, die den Film kennen: ja, das sind Namen aus der Comicverfilmung „Thor“), einige der wichtigsten germanischen Götter vor rund 1500 Jahren. Aber wir haben die Freiheit, an Jesus Christus zu glauben, der für uns gestorben und auferstanden ist. Wir müssen nicht an menschliche Konstrukte von Gott und Göttern glauben. Wie wunderbar!

Heute glauben Menschen in jedem Land dieser Erde, von Japan bis Deutschland, an den lebendigen Gott. Und dass, obwohl alles mit einem einzigen Mann angefangen hat. Dieser Mann wirkte nur drei kurze Jahre auf dieser Erde. Dabei blieb er sogar in einem relativ kleinen Gebiet in Palästina und reiste dafür nicht um die Welt. 

Dass seine Wirkung dennoch so unglaublich groß und unvergleichbar ist, liegt daran, dass er in der Zeit, die er hatte, Beziehung mit Menschen gepflegt hat. 

Jesus wählte sich zwölf Männer aus, mit denen er drei Jahre verbrachte. Natürlich hatte er noch einen erweiterten Jüngerkreis und mehr Menschen folgten ihm nach. Aber wirklich engen Kontakt und eine tiefe Freundschaft verband ihn vor allem mit diesen zwölf völlig normalen Männern. Anfangs waren sie von Jesus fasziniert, weil er Wunder tat. Sie hofften, dass er der versprochene Retter ist und dass er die Römer, die ihr Land besetzt halten, endlich vertreibt. Sie erlebten alles mit, was wir in den Evangelien lesen: Taube konnten wieder hören, Blinde wieder sehen und Dämonen mussten dem mächtigen Wort Jesu weichen. Und obwohl sie vieles davon erstmal nicht verstanden, ging Jesus seinen Weg nach Jerusalem weiter mit ihnen. Er starb und stand nach drei Tagen wieder auf und erschien seinen Jüngern, die schon jede Hoffnung verloren hatten. Nach einiger Zeit gab er seinen Jüngern den Auftrag, genau das mit anderen Menschen zu machen, was er die Jahre über mit ihnen gemacht hatte: Sie zu Jüngern machen.

Jesus war erst der Anfang!

Obwohl Jesus Gott ist, hat er nicht Millionen von Menschen in seiner Zeit auf der Erde erreicht. Sogar verhältnismäßig wenige, denn letztlich wurde er von der Mehrheit Israels abgelehnt. Aber er hat einige ausgewählte Menschen begleitet und ihnen Schritt für Schritt beigebracht, was es bedeutet, ihm nachzufolgen. 

Aber Jünger machen, wer kann das schon? Mir kommt direkt der Gedanke, dass ich das nicht kann. Dass so etwas nur besondere Menschen können, zu denen man aufblickt, die Vollmacht haben. Aber Jesus sagt etwas anderes. Er gibt diesen Auftrag allen seinen Jüngern, und damit auch dir und mir.

Was heißt es denn Jünger zu machen? Er hat sein Leben mit ihnen geteilt. Mit ihnen gegessen, geschlafen und geredet. Beziehung gepflegt. Mit ihnen gebetet und sie gelehrt. Er hat ihnen vieles zugetraut und sie ausgesandt, Menschen das weiterzugeben, was er gesagt und getan hat. So wie er mit ihnen umgegangen ist, so sollten sie auch mit anderen Menschen umgehen.

„Mehr“ eigentlich nicht. Und das Großartige ist, genau das können auch du und ich tun. Es ist egal, ob du Hausfrau und Mutter, Arbeiter bei Rittal oder Missionar in Indien bist. Wir alle können mit Jesu Hilfe Menschen zu Jüngern machen. Und wenn es eine einzige Person ist, die du in den nächsten Jahren im Glauben begleitest, mit der du sprichst, für sie betest und sie unterstützt, dann ist das unglaublich viel wert. Denn Jünger Jesu machen andere Menschen zu Jüngern Jesu. Aus eins mach zwei. Aus zwei mach vier. Und so weiter. So kam der Glaube an Jesus irgendwann auch nach Ewersbach. Jeder Mensch, den wir erreichen, kann wiederum einige Menschen erreichen und begleiten. Und somit vervielfältigt sich das Reich Gottes auf dieser Erde und seine Ehre wird verbreitet, sodass alle erkennen, dass Er Gott ist. 

Du bist nicht alleine.

Vielleicht denkst du immer noch, dass DU das nicht kannst, das Jesus dich dafür unmöglich gebrauchen kann, dass du einfach auch nicht die passenden Gaben und Talente hast…

Stimmt. Das schaffst du allein nicht. Unmöglich. Deswegen sagt Jesus am Ende der Rede zu seinen Jüngern: 

„Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“

Wir müssen das nicht allein machen. Ja wir können es gar nicht. Das können wir nur mit der Hilfe Gottes, seines Sohnes, und des Heiligen Geistes machen, der in uns lebt. Jesus selbst ist der Auftraggeber. Wir sollen Menschen zu Jüngern machen. Und welcher Auftraggeber gibt etwas so Wichtiges in Auftrag und zieht sich dann zurück und lässt seine Mitarbeiter einfach mal machen, ohne aktiv dabei zu sein? Nein, er interessiert sich für das, was sie tun. Er hilft ihnen, wenn sie ihn brauchen und er steht selbst an erster Stelle für das ein, was sein größtes Anliegen ist: Damit alle Menschen erkennen, dass er Gott ist und dass er sie liebt. Ihm ist alle Macht im Himmel und auf Erden gegeben, sagt Jesus. 

Mit kleinen Schritten voran.

Ich wünsche dir und mir, dass wir mit kleinen Schritten diesen Auftrag Jesu anfangen zu erfüllen. Konkret geht das, indem du dir eine Person ins Gedächtnis rufst, für die du in nächster Zeit gezielt betest, die du kontaktierst und mit der du Beziehung pflegst und über den Glauben sprichst. Und wenn du Mutter oder Vater bist und du die meiste Zeit deshalb zu Hause bist: Welch bessere Möglichkeit gibt es denn, als deine eigenen Kinder zu Jüngern Jesu zu machen?Ja, es ist egal, wo wir arbeiten, wo wir unsere Zeit verbringen, denn unser Auftrag, Jünger zu machen, ist an jedem Ort dieser Welt gültig und erfüllbar. Also lasst uns dafür beten, dass Gott uns Menschen vor Augen malt, denen wir in seiner Liebe begegnen können, grade in diesen schwierigen Zeiten unter der Coronakrise Oder dass er uns den Mut gibt, selbst auf sie zuzugehen. So wie Jesus es bei seinen Jüngern getan hat. Aus eins mach zwei. Wir alle können von Gott gebraucht werden, um seinen Namen auf dieser Erde bekannt zu machen. Jesus gibt uns einen krassen Auftrag, aber er selbst schafft die Voraussetzungen dafür, dass wir ihn erfüllen können: Er hat alle Macht, und er, der diese Macht hat, ist bei uns bis ans Ende aller Tage.

Jonas Schultze